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GA-Winterwanderung rund um Rheinbach: Erst in die Antike, dann in die Natur

GA-Winterwanderung rund um Rheinbach : Erst in die Antike, dann in die Natur

Die Runde der GA-Winterwanderung rund um Rheinbach bietet Pfade mit klingenden Namen und jede Menge Geschichte.

Masken tragen die römischen Gladiatoren, die vor dem Römerkanal-Infozentrum in Rheinbach während der Eröffnung des Museums zur Freude der Zuschauer martialisch ihre scharfen Schwerter schwingen. Nicht wegen eines Virus, das aus China stammen soll: Vielmehr sind die vor Kraft strotzenden Kämpfer meilenweit davon entfernt, einen Mund-Nasen-Schutz aufzusetzen. Ihre Gesichter schützen die Schwertkämpfer mit – original nachgebauten – Helmen. Im September 2019 ist ihr Spektakulum Teil der Eröffnungsfestivitäten des Infozentrums. Nach gutem Start bremst die Corona-Pandemie den Museumsbetrieb am Himmeroder Wall abrupt aus. Wer etwa zusammen mit dem GA auf Winterwanderung geht, sollte seine Runde um Rheinbach mit einer Zeitreise beginnen.

Einladend und offen wirkt der Glaskubus, in dem sich die Besucher über das größte römische Technikbauwerk nördlich der Alpen informieren können: die 92 Kilometer lange römische Eifelwasserleitung zwischen Nettersheim und Köln. So lange es sie gab – vom ersten bis dritten Jahrhundert, transportierte sie täglich 20 000 Kubikmeter kalkhaltiges Quellwasser von der Eifel in die damalige Colonia Claudia Ara Agrippinensium – verlief der Römerkanal durch Rheinbach. Einen besseren Ort, um sich über die antike Bau- und Ingenieurskunst zu informieren, gibt es nicht auf der Welt: Der in Morenhoven lebende Archäologie-Professor Klaus Grewe hat die faszinierende Zeitreise kuratiert.

Historie atmet die 12,3 Kilometer lange Winterwanderung, für die zweieinhalb bis drei Stunden einzuplanen sind, im verschwenderischen Überfluss: Wenige Schritte nach dem Himmeroder Hof, der bis zum 15. Jahrhundert von Zisterziensermönchen aus dem Kloster Himmerod bewirtschaftet wurde, stehen Natursuchende vor dem Hexenturm. Das 34,5 Meter hohe Bauwerk aus dem zwölften Jahrhundert verfügt über 2,20 Meter dicke Mauern, hinter denen 130 Frauen und Männer zwischen 1631 und 1636 eingesperrt waren und im Feuer den Tod fanden. Heute wird der Turm etwa für Lesungen im Kerzenschein genutzt.

Am Stadtpark entlang gelangt der Wanderer sogleich ins Grüne. Von der schönen Lindenallee führt der sogenannte Pilgerpfad bis rauf zur Waldkapelle. Sie liegt zwar mitten im Stadtwald, gilt allerdings neben der Tomburg, dem Hexenturm oder dem Wasemer Turm als eines der ortsbildprägenden Wahrzeichen von Rheinbach: Die im 17. Jahrhundert erbaute Waldkapelle, an der L 492 zwischen der Kernstadt und Todenfeld gelegen, lädt Wandersleute wie Ruhesuchende zur inneren Einkehr ein. Das kleine, sorgsam von einer Gruppe Ehrenamtlicher gepflegte Gotteshaus mit seinem berühmten Jesu-Holzscheit hat auch eine Menge an Geschichten zu erzählen – diese etwa: Erbaut wurde sie 1683, nachdem an der Stelle beim Holzspalten die Anfangsbuchstaben Jesu Christi in altgriechischer Sprache (IHS) in einem Buchenstück auftauchten. Im düsteren Stadtwaldnebel erscheint das warme Licht der geöffneten Kapelle wie ein Fingerzeig des Herrn, wo sich eine Rast, ein Innehalten lohnt.

Fortan geht es über den Eselsweg durch den Wald am „Schwarzen Kreuz“ vorbei. Das erinnert an den Pfarrer Johannes Paulus Rosenbaum, der anno 1803 im Alter von 59 Jahren einen Schlaganfall erlitt und infolgedessen vom Pferd stürzte. Schwarz ist das Kreuz nicht nur wegen des traurigen Endes des Gottesmannes, sondern auch wegen seiner wetterbeständigen Schutzschicht aus pechschwarzem Teer.

Wem dürstet, der ist am „Nonnenpütz“ richtig. Von der Trinkwasserquelle aus sollte einst eine Wasserleitung nach Rheinbach führen. Aber: Die Quelle sprudelte zu spärlich. Der Höhenort Merzbach entlohnt die Mühen des Wanderns mit einem fantastischen Ausblick in die gesamte Kölner Bucht.

Wege mit klingenden Namen gibt es noch mehr: Wer möchte, stößt auf den Pionierweg, den im Jahr 1939 Soldaten als Weg zum Munitionsdepot anlegten. Entlang des Winterwanderwegs erinnert ein Mahnmal daran, dass nach einer Bombenattacke auf das Munitionsdepot während des Zweiten Weltkriegs 100 Hektar Eichen- und Buchwald in Flammen aufgegangen waren. Es gibt auch einen Seufzerpfad. Der soll an das Seufzen der Frau des Försters bei der Rückkehr ihrer Kinder aus der Schule erinnern. Die Teilnehmer der GA-Winterwanderung mögen hingegen von Seufzern – etwa ob des Wetters oder der Länge der Strecke – verschont bleiben. Denn: Nach einer Rast am Freizeitpark, dem städtischen Naherholungsgebiet mit See, Freilichtbühne und allerlei Sportmöglichkeiten, ist fast schon wieder der Ausgangspunkt der Runde in Sicht.

GPS-Daten und mehr Infos unter tinyurl.com/Rheinbacher-Waldrunde.