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Seminarleiter am Katholisch-Sozialen Institut: Udo Huett über Auswege aus dem Vorweihnachtsstress

Seminarleiter am Katholisch-Sozialen Institut : Udo Huett über Auswege aus dem Vorweihnachtsstress

Der Alltag kann der besinnlichen Vorbereitung auf das Weihnachtsfest schon einmal im Wege stehen. Das Katholisch-Soziale Institut in Bad Honnef veranstaltet in dieser Woche eine Seminarreihe, in der die Teilnehmer dem Wesen von Weihnachten näher kommen können. Die Reihe ist zwar ausgebucht, aber mit dem Seminarleiter Udo Huett hat Philipp Königs darüber gesprochen, wie sich auch Nichtteilnehmer mit einfachen Mitteln in Stimmung bringen können.

Herr Huett, will man in diesen Tagen mit dem Auto in die Innenstadt fahren, um sich dem Konsumrausch hinzugeben, kann man schon einmal ungnädig werden ob der vielen Menschen...
Udo Huett: Das stimmt. Ich will mal so sagen: Viele Menschen beschweren den Kopf damit, was sie noch für Geschenke brauchen, was für die heimische Dekoration fehlt, was es zu essen geben soll. Das sind Fragen an der banalen Oberfläche des Alltagsgeschäfts, die nichts mit der eigentlichen Idee von Weihnachten zu tun haben.

Wie lässt sich diese Banalität durchbrechen?
Huett: In unseren Seminaren beschäftigen wir uns genau mit dieser Frage. Wie kann in diesem ganzen Trubel der Ausstieg gelingen? Impulse kann man aber auch zu Hause setzen. Im Kern geht es doch darum, sich mit vertieften Gedanken auf das Mysterium einzulassen. An Weihnachten feiern wir schließlich die Menschwerdung Gottes. Was bedeutet das für mich? Um darauf eine Antwort zu finden, ist ein gewisses Maß an Ruhe erforderlich.

Wie ist die zu finden?
Huett: Es gibt viele Wege, die auf diese Spur führen. Beispielsweise kann man an einem Abend daheim in der Bibel lesen statt Fernsehen zu schauen oder Advents- und Weihnachtslieder singen, Geschenke selbst herstellen, statt sie bloß zu kaufen, um etwas von sich selbst zu geben. Oder der Besuch eines weihnachtlichen Konzerts. Musik öffnet bei vielen Menschen die Herzen. Die Meditation durch Tanz kann neue, unbekannte Wege aufzeigen.

Weihnachten ist aber doch auch das Fest der Begegnung.
Huett: Sicher. Die Zuwendung anderer, das Aufeinanderzugehen ist elementarer Teil. Das Geschenk der Begegnung ist das größte Weihnachtsgeschenk, das es geben kann.

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In diesem Jahr sind zahlreiche Flüchtlinge nach Deutschland gekommen, viele von ihnen muslimischen Glaubens. Mancher Nachbar wird sich fragen: Sollten wir dieses zweithöchste christliche Fest mit ihnen zusammen feiern?
Huett: Diese Menschen sind in der gleichen Situation wie Maria und Josef. Sie dürften sich ganz ähnlich fühlen in einer fremden Umgebung. Für viele Muslime wird es überhaupt das erste Weihnachtsfest sein. Ich denke, jeder, der einen solchen Kontakt hat, sollte ihn nutzen, um die Menschen einzuladen.

Die Thüringer lassen aus alter Tradition einen Platz am Esstisch frei, falls das Christkind vorbeikommt. Meinen Sie so etwas?
Huett: Das ist eine schöne Tradition. Was die Flüchtlinge anbelangt, wäre es vielleicht angebracht, zwei oder drei Plätze freizulassen. Wenn man eine Gruppe von Flüchtlingen einlädt, gibt das einen Halt für alle, die gemeinsam feiern wollen.

Zur Ihrem Seminar kommt neben Vortragenden, die über die Verkündigung und die Gegenwart Gottes sprechen, auch der Kabarettist Andreas Etienne mit seinem Programm "Engel auf der Nadelspitze". Sind Humor und Komik mit Weihnachten vereinbar?
Huett: Humor darf nicht fehlen. Jede aufrechte Religiosität hat eine humorvolle Seite. Egal ob es das Christentum, der Islam, die Geschichten der Rabbiner oder der Buddhismus sind. Man kann schon sagen, dass Humor ein Zeichen von Freiheit ist, die Gott uns vorgibt. Gott ist nicht eng und erst recht nicht engstirnig.

Wenn alle Meditation nichts genutzt hat und die Familie am Festtag aneinandergerät: Was empfehlen Sie, um die Kurve zu kriegen?
Huett: Man sollte vermeiden, sich ein festes Bild davon zu machen, wie Weihnachten in der Familie zu laufen hat. Viel sinnvoller ist es, zu überlegen, was man selbst tun kann. Und sollte es doch einmal knallen, hilft vielleicht der Gedanke: Ja, der andere ist so.