Wo Mario Adorf boxte statt spielte Deshalb ist die Vulkaneifel-Stadt Mayen einen Besuch wert

Bonn · Die Kleinstadt Mayen in der Vulkaneifel beeindruckt mit einem spektakulären Museums-Trio und den Burgfestspielen unter sommerlichem Himmel.

 Der Marktplatz in Mayen mit dem Alten Rathaus im Hintergrund lädt zum Verweilen ein.

Der Marktplatz in Mayen mit dem Alten Rathaus im Hintergrund lädt zum Verweilen ein.

Foto: Wolfgang Kaes

Preußisch-Sibirien. So despektierlich beschrieben die verbeamteten Herren aus dem Osten jenen Landstrich tief im Westen, der ihnen 1815 zugefallen war. Preußische Staatsdiener ernteten bei einer Versetzung in die raue, karge Vulkaneifel Hohn und Spott der Berliner Kollegen. Den Einheimischen, seit jeher nicht gerade verwöhnt vom Leben, ging es während der französisch-napoleonischen Besatzung mitunter besser als anschließend unter preußischer Herrschaft. Von der gegenseitigen Antipathie zeugt ein Interview, das Rudolf Grennebach, preußischer Bürgermeister der Vulkaneifel-Stadt Mayen, vor 147 Jahren der örtlichen Zeitung gab, darin die „unbändige Genuss-Sucht des Mayener Proletariats“ sowie das Fehlen jeglicher Sitte und Moral beklagte. Aufs Schärfste verurteilte Grennebach die eigenmächtige Einführung der Fünf-Tage-Woche in Gestalt des „Blauen Montags“, an dem die Steinhauer in den labyrinthischen Basaltgruben kollektiv ihren Kater vom Vortag pflegten. Zudem irritierte ihn, dass „eine Familie, in der vier erwerbstätige Personen vorhanden sind, nicht einmal einen einzigen für Steuern pfändbaren Gegenstand besitzt, vielmehr alles in Vergnügen und Völlerei aufgehen lässt“.