1. GA-Erlebniswelt
  2. GA-Forum
  3. Immobilienforum

Klima: Umweltprämien fürs Bauen und Modernisieren

Klima : Umweltprämien fürs Bauen und Modernisieren

Nach Corona soll die Wirtschaft möglichst bald wieder in Schwung kommen. Am besten klimafreundlich, meinen Immobilienexperten

Nach dem Lockdown soll sich die Wirtschaft in Deutschland so schnell wie möglich wieder erholen, ohne dabei die Klimaziele außer Acht zu lassen. „Ich glaube, dass es möglich ist, diesen Erholungsprozess hier in der Region durch nachhaltiges Wirtschaften zu ermöglichen und gleichzeitig mit dem Klimaschutz zu verzahnen“, meint Haus & Grund-Hauptgeschäftsführer Markus Gelderblom. „Der Staat könnte diese lokale wirtschaftliche Entwicklung finanziell flankieren, indem er Zuschüsse und Steuererleichterungen gewährt oder den Bürokratieabbau fördert.“

Markus Gelderblom kann sich zum Beispiel vorstellen, die bestehende Abwrackprämie für alte Ölheizkessel zu erweitern, neue Umweltprämien einzuführen oder Energie sparende Maßnahmen wie Dachdämmungen, die Modernisierung von Informationstechnik in Gebäuden oder die Hausmodernisierung gesondert zu bezuschussen. „Es gibt einen ganz bunten Strauß von Möglichkeiten.“ Jan-Peter Sattler-Riegel (Immobilienkontor Peter Sattler) sieht das ebenso: „Die Kosten für energetische Maßnahmen führen zu höheren Kaufpreisen. Um das auszugleichen, müsste der Staat die Förderungen ausweiten.“ Eine Möglichkeit sei es, abgestufte Modelle anzuwenden und zum Beispiel für preisgünstigen Wohnraum nur Mindestanforderungen festzulegen.

Dass der Staat Häuslebauer und Modernisierer unterstützen sollte, findet auch Roland Kampmeyer (Kampmeyer Immobilien): „Wenn ich mir die Energieeinsparverordnung ansehe, muss ich natürlich sagen, dass das die Preise in die Höhe treibt.“ Wegen der Wohnraum-Knappheit in der Region sei das Thema Klimaschutz für Miet- oder Kaufinteressen eher nachrangig. „Die Sensibilität für Klimaschutz ist eher bei jenen zu finden, die ein Grundstück haben und selbst ein neues Einfamilienhaus bauen und sich besonders Gedanken machen, wie nachhaltig sie das umsetzen können.“

Bernd Meier (Hüttig & Rompf) beobachtet, dass die KfW-Effizienzhäuser mit der entsprechenden Finanzierung auf dem Markt eine große Rolle spielen. „Am Ende entscheiden die Kunden aber stets danach, was sie sich wirklich leisten können.“ Deutlich wird das laut Meier im Bereich der Bestandsimmobilien: „Da kommt es selten vor, dass ein komplettes Haus nach Klimagesichtspunkten umgebaut wird. Hier setzen die Menschen auf geförderte Einzelmaßnahmen: mal ist es das Dach, mal die Heizung.“

Für Martin Venjakob (Bonava Deutschland) ist die Klimadebatte beim Bauen längst angekommen: „Es gibt kaum eine Neubauplanung, bei der wir nicht auch Dachbegrünungen anbieten müssen. Dabei kostet ein begrüntes Dach rund 60 bis 70 Euro pro Quadratmeter.“ Bei der Energieeinsparung kämen die Projektentwickler jedoch an Grenzen, „denn es macht keinen Sinn, noch mehr zu dämmen“. Die Mineralische Dämmung werde vielleicht in nächster Zeit eine größere Rolle spielen, prognostiziert er. Grundsätzlich glaubt Venjakob, dass das Klima künftig auch bei der Entwicklung von Bauflächen eine immer größere Bedeutung erhält.

Wie Nina Reiter-Mönke berichtet, spielt der Klimaschutz in den Projekten der Bernd Reiter Gruppe schon seit Jahren eine große Rolle: „Das Flux 7 direkt am Kölner Grüngürtel ist eines der europaweit größten Passivwohnhäuser in modularer Bauweise und wurde vom Land NRW als Klimaschutzsiedlung mit Vorbildcharakter ausgezeichnet.“

Und auf dem Gelände der ehemaligen Film- und Fernsehstudios in Hürth-Kalscheuren plane die Gruppe einen Gewerbepark im Stile des Silicon Valley. „Hier wollen wir uns austoben, was neue Technologien angeht. Wir planen zum Beispiel einen Einkaufsmarkt, der auf künstlicher Intelligenz basiert, man also fast kontaktlos einkaufen kann.“ Auch mit alternativen Baustoffen experimentiere man. „Und wenn es einzelne Bauteile nicht gibt, lassen wir sie anfertigen, wie etwa Spezialfenster, die sowohl den Schall als auch die Wärme deutlich dämmen.“