Babysitterkurs in Plittersdorf: Immer richtig gewickelt

Babysitterkurs in Plittersdorf : Immer richtig gewickelt

Babysitterkurs im Haus der Familie vermittelt Grundlagen und manch überraschende Erfahrung

Wegen Corona ausgefallen war im März der erste Babysitterkurs im Haus der Familie. Im Herbst aber waren die Türen zum Kurs wieder offen. „Normalerweise nehmen zehn bis zwölf Jugendliche teil“, sagte Kursleiterin Katja Unger. „Wegen der aktuellen Situation mussten wir die Gruppe leider verkleinern.“ Immerhin fünf Jugendliche kamen am Samstag in die Friesenstraße 6, um den letzten Abschnitt ihrer elf Kurs-Unterrichtsstunden zu absolvieren.

„Ich wusste nicht, dass es so anstrengend ist. Man muss ständig aufpassen und darf das Kind nicht aus den Augen lassen“, beschrieb Amelie (14), was sie überrascht hat. Für sich persönlich hat sie erfahren, wie viel Spaß die Beschäftigung mit Kindern machen kann. Elina (15) und Greta (14) stellten am Beispiel der Babypuppen fest, dass es gar nicht so einfach ist, die Kleinen in die vielen Kleidungsschichten zu bugsieren. „Wenn man einmal raus hat, wie es geht, klappt es auch“, stellten beide fest. Vanessa kannte das Umziehen und Anziehen der Kleinsten schon von ihren jüngeren Cousinen. „Das macht es leichter“, gab sie zu. Johanna begeisterte der soziale Effekt: „Ich kann mir das schon gut vorstellen, mit den Kleinen zusammen auf den Spielplatz zu anderen Müttern und Kindern zu gehen.“

Auf dem Unterrichtsplan standen rechtliche Anforderungen ebenso wie die Entwicklung vom wenige Monate alten Baby bis ins Schulkind­alter. Weil die eigene Erinnerung an das, womit sich die Jugendlichen selbst oder die Nachbarskinder vor Jahren gerne die Zeit vertrieben haben, nicht immer sehr präsent war, befasste sich ein Abschnitt des Kurses mit Spielen und Beschäftigungsmöglichkeiten für die Kleinsten. Damit die künftigen Babysitterinnen „mehr als nur mal eine halbe Stunde“ aufpassen können, spielten auch Hygiene, Wickeln und Ernährung eine wichtige Rolle.

In diesem Zusammenhang wurde im gesamten Kurs auch immer wieder die Pandemie thematisiert. Händewaschen, sobald man das Haus betritt und vor der Essenszubereitung sowie Hygiene sind ein Muss. Ähnlich wie in der Kita sollen die Maßnahmen jedoch den Kontakt zwischen Kind und Jugendlichen nicht zu sehr belasten. Was Corona allerdings ebenfalls ändert, ist der Bedarf der Eltern. Möglicherweise gebe es nicht mehr so viele Anlässe, abends auszugehen, sagte Unger. Stattdessen brauchen Eltern unter Umständen am Tag eine Unterstützung bei der Betreuung, weil die Kita geschlossen ist.

Gerade wegen der vielen Zuzüge junger Familien sei es wichtig, in der Gesellschaft die verschiedenen Gruppen zusammenzuführen, beschrieb Unger eine der Aufgaben, denen sich das Team vom Haus der Familie stellt. „Die jungen Mütter kennen oft die Jugendlichen in ihrem Wohnviertel nicht, die vielleicht das Babysitten übernehmen könnten.“ Ebenso wenig hatten die Jugendlichen zuvor Kontakt mit den neuen Familien im Quartier. „Deshalb gibt es bei uns gegen eine geringe Schutzgebühr eine Babysitterliste“, sagte die Diplom-Pädagogin. Wer den Kurs absolviert hat, habe anschließend nicht nur ein Zertifikat vorzuweisen, sondern sich fundiert mit der Materie beschäftigt. „Diese Jugendlichen können wir weiterempfehlen“, fand Unger.