Insolvenzverfahren um die Aktiengesellschaft Bad Neuenahr: Investoren aus China ziehen Angebot zurück

Insolvenzverfahren um die Aktiengesellschaft Bad Neuenahr : Investoren aus China ziehen Angebot zurück

Im Insolvenzverfahren um die Aktiengesellschaft Bad Neuenahr (AGBN) hat sich der – dem Vernehmen nach – ohnehin kleine Kreis möglicher Interessenten, noch verkleinert.

Eine chinesische Investorengruppe, in Deutschland vertreten durch „Far Eastern – Beratungs- und Handelsgesellschaft mbH“ in Person von CEO Rolf Marohn, hat am Dienstag gegenüber Jens Lieser ihr mehrfach schriftlich bekundetes Interesses am Kauf der AGBN zurückgezogen.

Marohn wirft dem Koblenzer Insolvenzverwalter in einem dem General-Anzeiger vorliegenden Schreiben vor, dass Lieser einen Kaufvertrag „mit einem einseitig von ihm bevorzugten Investor abschließen will und von einem fairen, gleichberechtigten Bieterverfahren beim Verkauf der AGBN jetzt nicht mehr ausgegangen werden kann“. In seinem ebenfalls dem GA vorliegenden Antwortschreiben, bestätigte Lieser das chinesische Angebot, führte aber auch an, dass dieses erheblich unter den sonstigen Geboten gelegen habe.

Zudem sei eine endgültige Entscheidung des Gläubigerausschuss noch nicht erfolgt. Zum wiederholten Male wies er darauf hin, dass ein Bieterverfahren nach der Insolvenzordnung nicht vorgeschrieben sei: „Der Insolvenzverwalter hat bezogen auf das individuelle Insolvenzverfahren die bestmögliche Verwertung anzustreben.“

Und weiter: „Aus Rechtsgründen konnte bisher kein Gespräch mit Ihrem Interessenten erfolgen. Eine Benachteiligungsabsicht gerade chinesischer Investoren ist damit nicht verbunden. Da ich bereits Unternehmensverkäufe mit chinesischen Investoren abgewickelt habe, sind mir die Abläufe vertraut.“

Rückblick

Rolf Marohn hatte zuvor noch einmal die Ernsthaftigkeit des chinesischen Angebotes betont: „Vor dem Hintergrund des Verkaufs des Flughafens Hahn und der Diskussion zur Seriosität von chinesischen Investoren insgesamt, möchte ich klarstellen, dass die von mir vertretenen Investoren, Vertragspartner der deutschen Bundesregierung sind, über ausreichend Kapital verfügen und eine Beteiligung/Übernahme der AGBN über einen bereits vor einigen Jahren in Deutschland gegründeten Investitionsfonds realisiert hätten.

An der Seriosität dieser Investoren gibt es keine Zweifel und hätte auch jeder öffentlichen Überprüfung stand gehalten. Zudem wäre eine Zahlung in Euro jederzeit kurzfristig möglich gewesen. Auch eine zusätzliche außenwirtschaftliche Genehmigung der chinesischen Regierung wäre nicht erforderlich.“

Der Interessenvertreter der potenziellen chinesischen Käufer wirft Lieser vor, dass er bis jetzt jeden Vorschlag zu einem Gesprächstermin, auch mit den in Bad Neuenahr anwesenden Investoren, abgelehnt habe: „Eine Abgabe eines höheren, besseren Angebotes ist durch ihre Vorgehensweise unmöglich gemacht worden.“

Jens Lieser, ehemaliger Verwalter des Nürburgring-Insolvenzverfahrens, sieht die aus seiner Sicht Zuständigen hinter sich: „Der gesamte Gläubigerausschuss und wesentliche Aktionäre teilen meine Einschätzungen.“

Wie das Büro von Jens Lieser am Dienstag mitteilte, wird die Seniorenresidenz „Villa Sibilla“ künftig als eigenständige Gesellschaft geführt. Geschäftsführer wird Clemens Gaspard sein, der bislang kommissarisch die Geschäfte der Aktiengesellschaft leitete.

Wie Liesers Pressesprecher Pietro Nuvoloni sagte, hätten auch die Bewohner der Villa, die als Hauptumsatzträger der AGBN galt, eine Trennung von der Aktiengesellschaft gefordert. 60 Prozent der Umsatzerlöse der in Insolvenz geratenen Aktiengesellschaft wurden in der Vergangenheit über die Seniorenresidenz generiert.

Ebenfalls neu strukturiert wird der Physio- und Fitnessbereich der AGBN. Beide Betriebszweige werden zu einer neuen GmbH, der „Medical Fitness GmbH“ zusammengeführt. Geschäftsführer ist Guido Di Carlo, der vor wenigen Wochen überraschend die bisherige Leiterin des AGBN-Fitnessstudios, Daniela Kunz, abgelöst hat.

Derweil stellte der gekündigte AGBN-Vorstand Christoph Reinicke für die für den 13. Juli einberufene Aufsichtsratssitzung einen Antrag auf Erweiterung der Tagesordnung.

Und zwar um den Punkt: „Antrag an das zuständige Gericht, um das Aufsichtsratsmitglied Guido Orthen nach § 103 (3) (Abberufung der Aufsichtsratsmitglieder) abzuberufen, weil in dessen Person ein wichtiger Grund vorliegt“. Guido Orthen ist Bürgermeister der Stadt Bad Neuenahr, die 27 Prozent der Anteile der Aktiengesellschaft hält.