Von Irrgärten und Himmelsleitern Jazzige Orgelkompositionen in der Martin-Luther-Kirche

BAD NEUENAHR · Zur Geistlichen Abendmusik in der Bad Neuenahrer Martin-Luther-Kirche gab es jetzt jazzige Orgelkompositionen. Organist, Pianist und Komponist Hans-Martin Limberg musizierte.

 Hans-Martin Limberg spielt jazzinspirierte Orgelimprovisationen in der Martin-Luther-Kirche.

Hans-Martin Limberg spielt jazzinspirierte Orgelimprovisationen in der Martin-Luther-Kirche.

Foto: Martin Gausmann

Direkt bei der ersten Geistlichen Abendmusik 2019 in der Martin-Luther-Kirche in Bad Neuenahr trumpfte die evangelische Gemeinde mit einem musikalischen Beitrag der besonderen Art auf. Organist, Pianist und Komponist Hans-Martin Limberg ließ die Ott-Orgel mit eigenen Kompositionen ungewohnt jazzig erklingen. Pastor Arnd Kulla steuerte die geistlichen Impulse bei. Die Kirche war gut gefüllt und die Zuhörer drückten ihre Begeisterung nicht ganz regelkonform auch mit Zwischenapplaus aus.

Basstupfer wabern durch das Kirchenschiff, jingleartige Fragmente setzen sich darüber und schon sind die Besucher in der musikalischen Welt von Limberg gefangen. „Everytime the Same, but Different“ kam als leichtes Lied daher, dem der gebürtige Münsteraner in seinem Mittelteil mit den Zungenregistern die nötige Würze zu verleihen vermochte. Pastor Kulla brachte in seiner Begrüßung einen Eindruck auf den Punkt, der spürbar im Raum lag: Die Orgelmusik des Abends sei „eine Nuance, die ich so noch nicht kannte“.

Und so überließ er dem Musiker auch schnell wieder die Bühne. Aus weiter Ferne erstieg die Melodie von „Space Walk“ und baute in Echoeffekten einen anregenden Dialog zwischen den Oberstimmen auf. Das Bassfundament ließ die Musik schweben. Seinen Höhepunkt fand die Komposition in einer rasant in die Höhe schnellenden musikalischen Himmelsleiter, bevor sie sich in unendlichen Fernen verlor. Dem geistlichen Charakter des Abends eigentlich entgegenstehend, mussten die Besucher nach dem Stück einfach ihre Begeisterung per Applaus kundtun.

„Prayer“ präsentierte eine liebliche Tremolo-Melodie, die aber über die tiefen Stimmen immer geerdet blieb. Das Publikum schloss die Augen und spürte jedem Ton nach, egal wie weit entfernt ihn Limberg auch erklingen ließ.

Kulla wies in seiner Meditation darauf hin, dass man das Leben entweder als Labyrinth oder als Irrgarten auffassen kann. Im ersten Fall handelt es sich um einen vielleicht verwinkelten Weg, der aber einer bestimmten Mitte zuläuft. Im zweiten Fall kann es auch einmal in Sackgassen gehen und die Eindeutigkeit des Wegs verloren gehen. Mit dem alttestamentlichen Buch Jesaja gab er der Gemeinde noch den Impuls mit auf den Weg, dass Gottes Gedanken nicht unsere Gedanken seien.

Limberg reagierte darauf mit dem „Cosmic Waltz“, der sich durch einen festen Basslauf und eine freie Melodie darüber auszeichnete. „Take me Home“ hatte zwar auch den Groove, ließ darüber jedoch eine musikalische Suchbewegung laufen, welche Bitte und Sehnsucht ausdrückte, ohne dabei die Hoffnung zu verlieren. Wie eine Antwort darauf wies „Way to Heaven“ den Pfad zum Himmel hinauf mit lateinamerikanischen Rhythmen und musikalischen Lichtgestalten, die sich zum Höhepunkt im Gotteshaus und vor den inneren Augen der Zuhörer tummelten. Zum Ende ging es noch einmal auf die Erde, um auch den Letzten tanzend in göttliche Sphären zu entführen. Mit Akkorden und einer Endlosmelodie setzte „Super Omnia“ den Schlusspunkt mit orientalischen Klängen und einem mitreißenden Tutti-Teil. Nach dem Pianissimo-Finale gab es vom Publikum stehende Ovationen.

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