Das Jahr 2014 im Stadtbezirk Bonn: Kampf um die Büchereien

Das Jahr 2014 im Stadtbezirk Bonn : Kampf um die Büchereien

Die verschiedenen Sparvorschläge der Stadt haben in den Stadtbezirken für viel Aufregung gesorgt und tun es noch. Vor allem die Nachricht, Stadtteilbüchereien zu schließen, hat viele Bürger auf den Plan gerufen, die gegen die Schließungspläne demonstrieren.

Sie sollen umgesetzt werden, sobald das Haus der Bildung am Bottlerplatz öffnet. Doch das sorgt wegen Problemen auf der Baustelle und steigender Kosten zurzeit für viel Ärger im Rathaus. Noch komplizierter wird die Sache, weil Räume im gerade entstehenden Neubau der Auerberger Mitte für die Graurheindorfer Bezirksbücherei, die eigentlich geschlossen werden soll, freigehalten werden. Es gibt längst Mietverträge mit der Stadt.

Viele Auerberger freuen sich, dass sich durch das Projekt der Schmeing-Baugruppe aus Düsseldorf nun die Lücke an der Pariser Straße schließt. Zur Bücherei sollen sich eine Rossmann-Filiale, "Ernsting's family", ein Restaurant sowie entweder eine Bank, ein Kiosk oder eine Postfiliale gesellen. In dem hufeisenförmigen Gebäude werden 112 Wohnungen auf maximal vier Etagen entstehen. Im Herbst 2015 soll alles fertig sein.

[kein Linktext vorhanden]Die Auerberger kämpfen für ihre Bücherei, vor allem auch, weil sie ein beliebter Treffpunkt ist, also auch eine wichtige soziale Funktion in dem Statteil hat, und für die Kinder und Jugendlichen dort ein wichtiges Bildungsangebot ist. Das sieht aber bei den ebenfalls von Schließung bedrohten Filialen in der Endenicher Burg, in Dottendorf und in der Beueler Bücherei im Brückenforum nicht anders aus, argumentieren die Vertreter der jeweiligen Fördervereine.

Doch die Stadt Bonn geht bildlich gesprochen auf dem Zahnfleisch. Der Schuldenberg ist mittlerweile bei fast 1,7 Milliarden Euro angelangt. Sparen tut also not. Bei den betroffenen Büchereien beträgt das Einsparpotenzial laut Verwaltung immerhin 444 790 Euro pro Jahr. Sie sollen geschlossen werden, wenn das Haus der Bildung am Bottlerplatz mit der Zentralbibliothek und der Volkshochschule unter einem Dach eröffnet.

Nach derzeitigem Stand ist die Eröffnung im Sommer geplant. Ursprünglich sollte die VHS bereits zum kommenden Semester ab Februar in ihren neuen Räumen Kurse anbieten, die Bücherei sollte im April oder Mai folgen. Aufgrund massiver Baustellenprobleme musste die Terminplanung überarbeitet werden. Noch nicht ganz klar ist, was das neue Haus am Ende gekostet haben wird. Derzeit ist die Rede von rund 25 Millionen Euro, für das Projekt, das einst mit elf Millionen Euro veranschlagt worden war.

Venusberger leiden weiter unter Autos

Nicht viele Wege führen auf den Venusberg. Die eine Verkehrsader kommt über Röttgen und Ippendorf, die andere über Poppelsdorf. So ist tagsüber rund um den großen Arbeitgeber Universitätsklinikum so gut wie kein Parkplatz frei. Davon haben die Anwohner genug.

Sie wollen die Klinik in die Pflicht nehmen, sich an der Lösung der Verkehrsprobleme zu beteiligen - auch finanziell. Das Jahr über gab es regen Schlagabtausch zwischen Venusbergern, Verwaltung und Politik - in den Gremien und am runden Tisch. Enttäuschung herrscht vor allem darüber, dass nun der Durchführungsvertrag für das neue Eltern-Kind-Zentrum der Uni unterschrieben wurde - ohne sich um die Autos zu kümmern.

Still ist es derweil um die Idee einer Seilbahn auf den Venusberg geworden. Die Bonner Verkehrsplaner wollen sich erst wieder im Frühjahr damit beschäftigen, teilte das Presseamt der Stadt auf Anfrage mit.

Waldau flugs wieder zu

Ausflugsgastronomie scheint in Bonn ein schwieriges Geschäft zu sein. Im Waldau-Restaurant war der neue Pächter Swen Jürries zuversichtlich gestartet, strich aber im Oktober nach nur 13 Monaten die Segel. Das Argument: Die Gäste seien ausgeblieben, die Betriebskosten seien zu hoch. Seitdem steht das Restaurant leer, die Stadt hat noch keinen neuen Pächter.

Die nächste Hiobsbotschaft kam gleich hinterher: Die seit Jahren geplante Modernisierung und Erweiterung des Waldinformationszentrums "Haus der Natur" platzt, weil das Land den 1,4-Millionen-Zuschuss dafür nicht lockermachen will. Die Stadt reagierte darauf, indem sie mit dem früheren Pächter Michael Schiffer noch einmal über den für 2017 geplanten Kauf des Ausflugslokals verhandelte. Dabei geht es ihr darum, den 2012 ausgehandelten Preis im Nachhinein zu drücken.

An der S 23 häufen sich Klagen

Über etliche Monate wurde auf der Regionalbahnstrecke 23 zwischen Bonn und Euskirchen, die inzwischen S 23 heißt, ein neuer Haltepunkt in Endenich-Nord gebaut, von dem aus die Fahrgäste in nur drei Minuten am Bonner Hauptbahnhof sind. Doch die Schlagzeilen gehörten den vielen Verspätungen und Ausfällen in diesem Jahr.

Die Probleme resultierten aus den neuen Coradia-Lint-Zügen, deren Türen langsamer öffnen und schließen als die der alten Züge. Dadurch verlängert sich die Reisezeit. Mit dem neuen Fahrplan bekommt die S 23 nun einen "Humpeltakt", den man sich nicht mehr so gut wie den 15-Minuten-Takt merken kann. Die Bahn verspricht den Kunden, dass man sich um Besserung bemühe.