Ausstellung „Und das soll Liebe sein?" in Ahrweiler: Kunst thematisiert Gewalt in Beziehungen

Ausstellung „Und das soll Liebe sein?" in Ahrweiler : Kunst thematisiert Gewalt in Beziehungen

Es sind Comics, aber keine lustigen. Sie haben es in sich. Die Zeichnungen, die auf den 15 Bannern im Foyer des Ahrweiler Kreishauses zu sehen sind, thematisieren die Entstehung und Auswirkungen von Gewalt in Beziehungen.

Die Ausstellung „Und das soll Liebe sein...? Warnsignale häuslicher Gewalt erkennen und handeln“, ist noch bis Donnerstag, 1. Dezember, in der Kreisverwaltung an der Ahrweiler Wilhelmstraße 24-30 zu sehen.

Mit der Eröffnung der Schau wurde zugleich die Aktionswoche gegen Gewalt aus Anlass des „Internationalen Tags zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen“ am 25. November eingeleitet.

„Ich habe noch so viele Pläne. Ich möchte ein Buch schreiben, Fliegen lernen“, strahlt in einem der Comics eine Frau. „Und was ist mit uns?“, fragt ihr Mann und betont, dass doch das „Wir“ zähle: „Vergiss alles andere.“ Darunter zu lesen ist die Warnung: „Wenn er verlangt, dass du deine Träume aufgibst, bedeutet das Gefahr.“ Gefahr in Verzug sei auch dann, „wenn er zu schnell zu viel will“, „wenn er dir nachspioniert“, „wenn er dich in aller Öffentlichkeit runtermacht“. Wie das im Alltag aussieht, verdeutlichen Schwarzweiß-Darstellungen.

Opfer bleiben meist stumm

Es passiert schleichend und beginnt mit Kleinigkeiten. Dann entwickelt sich eine Spirale aus Demütigungen, Isolation und Prügel. Allein im Kreis Ahrweiler werden 200 Fälle von häuslicher Gewalt pro Jahr zur Anzeige gebracht. „Und die Dunkelziffer ist immens“, sagt Rita Gilles, Gleichstellungsbeauftragte des Kreises Ahrweiler und Sprecherin des Regionalen Runden Tischs gegen Gewalt Kreis Ahrweiler (RRT). Denn die Opfer blieben meist stumm, suchten keine Hilfe und wehrten sich nicht: aus Furcht vor Gerede oder aus Angst vor weiteren gewalttätigen Übergriffen. Betroffen seien Frauen aus allen Schichten, unabhängig von Alter, sozialem Status oder kulturellem Hintergrund.

Warum die Opfer oft stumm bleiben und warum sich die Gewaltspirale weiter dreht, erklären Gedankenblasen in der Ausstellung, in denen Frauen sich fragen: „Vielleicht bin ich zu empfindlich...“, Was mach’ ich bloß falsch?“ oder „Er hat versprochen, dass es nicht wieder vorkommt“.

Schülerinnen inszenieren häusliche Gewalt

Als Schattentheater inszenierten elf Schülerinnen einer Kooperation des Gymnasiums Calvarienberg mit dem Kinder- und Jugendförderverein Grafschaft gemeinsam mit Projektleiterin Christina Noack-Dziuk und der künstlerischen Leiterin Bernadette Heeb-Klöckner die Entwicklung häuslicher Gewalt: Die heile Welt aber auch die schnelle Verlobung am Anfang, wie er ihr das Telefonieren und dann auch den persönlichen Kontakt zu anderen verbietet, trinkt und sie schlägt, sie aber immer wieder dazwischen auch in den Arm nimmt.

Die Ausstellung mit Zeichnungen und nach Ideen der Autorin Rosalind B. Penfold fokussiere auf Frauen als Opfer und Männer als Täter, weil das meist der Fall sei, obwohl häusliche Gewalt auch umgekehrt vorkomme, sagte Gilles. Und: „Die ersten Signale werden oft leicht übersehen, von den Frauen selbst, aber auch von ihrem Umfeld“.

Über „Gewalt in Beziehungen und ihre Folgen auf die Persönlichkeit des Opfers“ sprach Katharina Friedrichs, Chefärztin der Ahrweiler Ehrenwall-Klinik. „In Stichproben, die zwischen 2004 und 2010 erhoben worden sind, haben 25 Prozent der Frauen berichtet, schon einmal Gewalterfahrungen gemacht zu haben. 15 Prozent sind wiederholt misshandelt worden.“

Wie kann man ausbrechen?

Um aus „diesem System mit unvorhersehbarem Wechsel aus Gewalt und Zuneigung, aus Verachtung und Reue“ auszubrechen, sei Kontakt außerhalb der Partnerschaft sowie die „Möglichkeit, eine andere soziale Wirklichkeit zu erfahren“ extrem wichtig, um zu verstehen, dass die Situation und die Gewalt das Unnormale seien und nicht die eigene Wahrnehmung, in denen die Opfer sich selbst oft als „verrückt“ empfänden.

„Es ist eine große Gemeinschaftsleistung, die Ihnen heute geboten wird, und zwar von einem Netzwerk, das eben auch eine Gemeinschaftsleistung ist. Seit 15 Jahren gibt es im Kreis Ahrweiler den Regionalen Runden Tisch gegen Gewalt Kreis Ahrweiler“, stellte Landrat Jürgen Pföhler bei der Ausstellungseröffnung fest. Zu diesem funktionierenden Netzwerk, das von Gewalt betroffenen Frauen in der Region helfe, gehörten 30 Institutionen und Vereinigungen von Polizei über Fachberatungsstellen bis zu Kliniken.