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Kommentar: Afghanistan - Sinnlose Attacken

Kommentar : Afghanistan - Sinnlose Attacken

Die jüngsten Angriffe der Talibanmilizen in der afghanischen Hauptstadt Kabul wurden mit so viel Routine niedergeschlagen, dass sie aus Sicht des Bobachters kaum noch Sinn machen. Selbst Kabuls Bewohner reagieren allenfalls mit Schulterzucken. So lag am Montagmorgen zwar der zivile Luftverkehr still, aber Kabuls Kinder gingen zur Schule, als ob rund um den Flughafen nicht geschossen wurde.

Angesichts der Tatsache, dass die Urheberschaft der letzten Attacken entweder von den Taliban selbst oder von Gulbuddin Hekmatyars Terrortruppe Hisb-i-Islami beansprucht wurde, entsteht zudem der Eindruck, dass es den Islamisten gar nicht darum geht, spektakuläre militärische Erfolge zu verkünden. Die verschiedenen Fraktionen der Regierungsgegner scheinen vielmehr um den Beweis zu wetteifern, dass sie überhaupt noch in der Lage, ist, Angriffe innerhalb der Hauptstadt zu organisieren.

Eine Erklärung für die sinnlosen Attacken könnte sein, dass hinter den Kulissen ein Kampf um die Unterstützung von Terror-Sponsoren tobt. Das müssen nicht unbedingt Staaten wie Pakistan oder gar der Iran sein. Es kann sich auch um private, im Nahen Osten ansässige schwerreiche Förderer des religiösen Extremismus handeln.

Wenn es nicht um Geld und Unterstützung geht, bleibt nur noch Verzweiflung als Erklärung. Denn die Talibanmilizen haben mit ihrer diesjährigen Offensive die Gewalt am Hindukusch zwar auf Höhen getrieben, die zuletzt im Jahr 2011 verzeichnet wurden. Doch außer langen Listen mit den Namen von Todesopfern erreichten sie bislang nichts.