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Kommentar zur Corona-Krise: Aha-Effekt

Kommentar zur Corona-Krise : Aha-Effekt

Dass es trotz steigender Infektionszahlen in Deutschland keinen Semi-Shutdown gibt wie im April, ist eine Ermutigung, dass jeder weiterhin Verantwortung für sich und seine Mitmenschen tragen sollte.

Die Rückkehr in die Dimension der Neuinfektionszahlen von April wird von einem dreifachen „Aha“ begleitet. Aha im Sinne von verstehen: Nichts ist vorbei, es kann jederzeit wieder losgehen. Aha im Sinne von erkennen: Es wird zwar von der Zahl her allmählich wieder eng, aber keiner denkt an einen neuen Shutdown. Und Aha als großgeschriebene Abkürzung AHA für Abstand – Hygiene –Alltagsmaske.

In jedem Fall haben wir es mit einem Aha-Effekt zu tun: Das Verhalten der übergroßen Mehrheit der Menschen in Deutschland ist exzellent. Und es wirkt.Natürlich dürfen wir uns nichts vormachen. Deutschland ist keine Insel. Wenn die Nachbarn immer mehr Regionen auf „rot“ und „Risiko“ schalten müssen, wird auf Dauer auch Deutschland nicht bei „grün“ bleiben. Die Urlaubsrückkehrer haben schon spürbar und in den Statistiken erkennbar aktuelle Corona-Probleme importiert. Die Freizügigkeit mit alltäglichen Reisebewegungen wird dazu beitragen, dass krisenhafte Entwicklungen etwa in Paris und Brüssel überspringen. Wien dürfte nur eine Metropole unter vielen weiteren sein, die die Zügel wieder anziehen müssen.

Kommando zurück im Fußballstadion von München

Das zeigt auch die Entwicklung in München. Gerade noch freuten sich die Fußballfans, jeden zehnten Sitzplatz im Stadion wieder nutzen zu können, da kommt das Kommando zurück: Zu gefährlich angesichts der jüngsten Infektionsdynamik.

Zugleich haben Politik, Behörden, Firmen und die gesamte Zivilgesellschaft eine steile Lernkurve hinbekommen. Unter dem Eindruck katastrophaler medizinischer Verhältnisse in Italien und beim Blick auf eine nur zeitversetzte Infektionsentwicklung stellten sich die Verantwortlichen in Deutschland ebenfalls auf Katastrophenszenarien ein.

Zeit erkauft mit dem Tritt auf die Bremse

Doch schwächte sich die gefühlte Bedrohung in Deutschland schneller ab, als es das faktische Geschehen erlaubte. Das hatte damit zu tun, dass sich die Regierungen von Bund und Ländern, die Verwaltungen von Kreisen und Städten mit dem Tritt auf die Bremse  Zeit erkauft hatten. In der Zeit konnten sie das Land mit Masken und Gefahrenbewusstsein fluten.

Kein neuer Shutdown trotz Rückkehr der Zahlen von April – das ist nicht mehr, aber auch nicht weniger als ein Zwischenstand. Es ist eine Ermutigung, dass jeder weiterhin Verantwortung für sich und seine Mitmenschen tragen sollte.