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Kommentar zur Maskenpflicht am Arbeitsplatz: Aktivismus

Kommentar zur Maskenpflicht am Arbeitsplatz : Aktivismus

Der Vorschlag, eine Maskenpflicht für alle Betriebe einzuführen, ist nicht zielführend. Die Firmen sind auch so gewappnet. Zudem sollten die Ursachen der hohen Infektionszahlen zunächst untersucht werden, bevor generelle Regeln eingeführt werden.

Die Zunahme der Infektionszahlen in Deutschland und der Welt ist beunruhigend. Entsprechend steigt der Druck auf die Politik, wieder stärker auf die Bremse zu treten, um die Erfolge bei der Eindämmung der Pandemie nicht zu verspielen. Doch der Vorschlag von CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer, eine Maskenpflicht für alle Betriebe einzuführen, ist wenig hilfreich.

Zum einen haben die Unternehmen doch längst Hygienekonzepte entwickelt, die für die Umstände vor Ort passend sind: Acrylscheiben, Homeoffice, Einbahnstraßen und selbstverständlich auch eine Maskenpflicht in den Bereichen, in denen die Mindestabstände anders nicht eingehalten werden können. Was soll da jetzt ein Maskenzwang für alle ohne Rücksicht auf die Gegebenheiten vor Ort? Was kann das mehr bringen als den Ausweis für politischen Aktivismus?

Zum zweiten sollte man erst einmal die Ursachen studieren, die für den Anstieg der Infektionszahlen verantwortlich sind, bevor man generelle Pflichten verhängt. Waren es vor Wochen die Tönnies-Schlachthöfe, sind es jetzt eben Quellen jenseits der Wirtschaft: Urlaubs- und Reiserückkehrer aus Krisengebieten; Partys oder große Familienfeiern, die aus dem Ruder laufen. Darum hat NRW-Gesundheitsminister Laumann recht, dass er eine Maskenpflicht für Betriebe aktuell ablehnt.

Ähnliches gilt für Schulen, bei denen es ebenfalls große Unterschiede gibt: Warum müssen in Dörfern oder Regionen, in denen es kaum Infizierte gibt, Schüler und Lehrer den ganzen Tag Masken tragen? Und wie ist die Strenge hier mit der Laxheit auf mancher Altstadt-Straße zu verantworten? Bis Ende des Monats gilt die Maskenpflicht in Schulen noch. NRW sollte gründlich prüfen, was Alternativen sind.