Kommentar zur „Alten VHS“ Alles unter einem Dach

Bonn · Die Stadt Bonn will die Räume der „Alten VHS“ zu einer Kita umbauen. Es steht zu befürchten, dass die Stadt mit der Kernsanierung ein weiteres Fass ohne Boden aufmachen würde, kommentiert GA-Autor Martin Wein.

Viele Helfer sind in der früheren Volkshochschule an der Kasernenstraße aktiv. Sie machen das Haus zur Villa Kunterbunt.

Viele Helfer sind in der früheren Volkshochschule an der Kasernenstraße aktiv. Sie machen das Haus zur Villa Kunterbunt.

Foto: MARTIN WEIN

Für die Schaffung ausreichender Betreuungsplätze möglichst in Wohnortnähe hat die Kommune eine Verpflichtung. Für ein Zentrum freier Stadtkultur nicht. Insofern ist die Sache im Fall der Alten VHS eigentlich klar. Die Zwischennutzung endet, wenn das Gebäude saniert wird. Aber auch nur eigentlich. Denn näher betrachtet, scheint es gar nicht so abwegig zu sein, beide Nutzungen nicht gegeneinander auszuspielen, sondern in dem großen roten Gebäude gemeinsam möglich zu machen. Die meisten Angebote unter dem Dach der Alten VHS beginnen derzeit ab 17 Uhr. Schon jetzt gibt es einen sogenannten Kinder-Chaos-Raum zur freien Betreuung, auch zeitgleich zu Veranstaltungen. Werkräume, Tanzfläche oder Küche könnten wunderbar parallel genutzt werden. Es spräche also nichts dagegen, hier innovative zeitliche Arrangements zu suchen. Der Kita-Betrieb wird das Haus ohnehin kaum bis unters Dach auslasten. Proberäume oder der "Salong" könnten bleiben. Es wäre schön, wenn die Stadtverwaltung in diesem Sinne nicht nach juristischen Spitzfindigkeiten sucht, sondern nach praktikablen Lösungen.

Allerdings scheint es fraglich, ob der Stadtrat die Kita-Idee überhaupt weiter verfolgen sollte. Ein simpler Rundgang durch das Gebäude zeigt auch einem Bau-Laien: Für eine öffentliche Dauernutzung werden Investitionen in Millionenhöhe nötig sein. Die alte Heizung ist marode, die Bäder sind für Kinder völlig ungeeignet. Fenster, Türen, Böden - alles ist in einem traurigen Zustand. Die als Parkplatz vermietete Asphaltfläche draußen ist ebenfalls nicht kindgerecht. Es steht zu befürchten, dass die Stadt mit der Kernsanierung ein weiteres Fass ohne Boden aufmachen würde. Ihre Kostenschätzungen bei anderen Projekten haben sich in der Vergangenheit ja nicht als sonderlich zuverlässig erwiesen.

Vor einer Entscheidung sollte der Stadtrat also gut abwägen. Der Universitäts- und Nachhaltigkeitsstadt Bonn steht ein frei betriebenes Kulturzentrum wie die "Alte VHS" gut zu Gesicht. Den Organisatoren gebührt Dank, dass sie die leer stehende Immobilie wachgeküsst haben. Wenn die Nutzer die Kosten tragen und ohne Zuschüsse auskommen, sollte man dieses Konstrukt nicht voreilig aufgeben, auch wenn es manchem Freigeist der 1970er und 1980er etwas unheimlich vorkommen mag. Und wenn beides doch nicht unter einen Hut passen sollte, wäre ja noch im Viktoriabad Platz für die Kreativen.

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