Kommentar zum Geldabheben im Supermarkt Allianz ist bedenklich

Meinung | Berlin · An Supermarktkassen können viele Kunden mittlerweile Geld abheben. Die Allianz zwischen Banken und Handel ist nicht nur wegen der Datensammelwut bedenklich. Ein Kommentar.

 In einem Supermarkt hebt eine Kundin beim Bezahlen auch gleich Bargeld ab.

In einem Supermarkt hebt eine Kundin beim Bezahlen auch gleich Bargeld ab.

Foto: dpa/Benjamin Nolte

Es gibt einen erstaunlichen Widerspruch beim Verhalten der Verbraucher. Einerseits steht der Schutz der Privatsphäre bei ihnen ganz hoch im Kurs. Andererseits geben sie freiwillig jede Menge Infomationen an unbekannte Dritte preis, nur weil diese etwas mehr Bequemlichkeit im Alltag bieten. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn der Supermarkt zum Geldautomaten wird. Das Angebot, beim Bezahlen der Tomaten und der Steaks an der Kasse gleich noch etwas Bargeld abzuheben, nutzt mittlerweile jeder vierte Kunde.

Dabei gibt der Kunde jede Menge Informationen preis, von Konsumvorlieben, über das Gesundheitsverhalten bis hin zum materiellen Stand. Bei einer geschickten Auswertung dieser Daten durch den Händler, die Hausbank oder Dritte wie Versicherungen steht der Verbraucher ziemlich nackt vor den Firmen da. Das sollte beim bequemen Einkauf wenigstens im Hinterkopf mitbedacht werden.

 Zudem stärkt diese Allianz zwischen Banken und Handel jene Kräfte, die langfristig eine Abschaffung des Bargelds anstreben. Denn in den Köpfen verändert sich der Umgang mit Geld. Bisher holten es Kunden erst von der Bank, um es anderswo auszugeben. Künftig stehen an erster Stelle automatische Bezahlsysteme, das Bargeld wird zusätzlich ausgereicht und rangiert damit auch an zweiter Stelle. Das ist für die Unternehmen billiger als der Umgang mit großen Bargeldbeständen. Für die Verbraucher begrenzt sich der Nutzen auf bequeme Zahlungen. Den Preis dafür zahlen sie mit ihren persönlichen Daten.

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