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Kommentar zum Erdüberlastungstag: Am Limit

Kommentar zum Erdüberlastungstag : Am Limit

Am Sonntag ist in Deutschland Weltüberlastungstag. Zu diesem Anlass hat Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) die deutsche Wirtschaft aufgefordert, sich zur Rettung des Klimas vom traditionellen Kapitalismus abzukehren. Wenn Müller drastisch warnen muss, ist dies ein Alarmsignal, kommentiert unser Autor.

Schon gehört? Erdüberlastungstag. An diesem Sonntag ist es so weit – jedenfalls in Deutschland. In Zeiten von Corona, in denen viele Menschen darüber nachdenken, ob diese Pandemie nicht auch eine Art Burn­out-Reaktion der Erde ist, kommt der Frage, wie wir Menschen mit diesem Planeten umgehen, zusätzliche Bedeutung zu. Wenn Entwicklungsminister Gerd Müller vor diesem Erdüberlastungstag drastisch warnen muss, ist dies ein Alarmsignal. Es bedeutet: Bereits zu Beginn des fünften Monats dieses Jahres haben die Menschen in Deutschland so viele Ressourcen verbraucht, Müll produziert und Kohlendioxid ausgestoßen wie sie es für einen sorgsamen Umgang mit der Erde in zwölf Monaten hätten tun dürfen.

Deutschland hat seinen Umwelttank gewissermaßen schon leer gefahren. Von jetzt an läuft für dieses Jahr alles auf Pump von der Natur. Und die zahlt mit aller Wucht zurück, wenn wir unsere Schulden bei ihr nicht begleichen: Die Hitzesommer werden noch heißer, die Starkregen überfluten Regionen noch stärker, Orkane wehen noch heftiger. Der Planet wehrt sich, weil wir ihn überlasten. Es gibt für diese Erde keinen Plan B, wir haben sie nur einmal. Doch die Vorräte sind endlich und wir leben auf Kosten sogar der übernächsten Generation.

Diese Pandemie ist eine Zäsur, auch eine Chance für ein Nachdenken zum Umgang mit unseren eigenen Vorräten. Können wir tatsächlich so weitermachen: Höher, schneller, weiter?! Eine Konsequenz aus diesem von einem Virus gemachten weltweiten Stillstand dürfte sein, dass sich die deutsche Volkswirtschaft weniger stark von Lieferketten und Produzenten abhängig macht, die fernab in China sitzen. Deutschland wird für künftige vergleichbare Seuchen eine eigene Pandemie-Wirtschaft aufbauen müssen. Das ist ein Notfallkoffer, aber keine Umkehr.

Tatsächlich spendiert diese Pandemie der Erde eine kleine Atempause, weil der weltweite Ausstoß an Kohlendioxid in diesem Jahr spürbar zurückgehen wird. Aber auch dies ist nur eine Moment­aufnahme und viel zu wenig, um dauerhaft die Erderwärmung zu stoppen. Das Umdenken müsste grundsätzlicher sein und weitergehen. Wir können im kommenden Jahr vielleicht wieder auf Fernreisen gehen, Luxusausflüge auf die Cook-Inseln. Wir leben ja nur einmal. Doch die nächste, erst recht die übernächste Generation wird dafür teuer bezahlen. Auf dieser einen Erde, unserer Lebensgrundlage.