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Kommentar zu Kevin Kühnerts Ambitionen: Am Wendepunkt

Kommentar zu Kevin Kühnerts Ambitionen : Am Wendepunkt

Kevin Kühnert ist eines der ganz wenigen politischen Talente der SPD. Nun will für den Bundestag kandidieren. Das ist eine richtige Entscheidung – wenngleich sie ein Risiko für ihn birgt, kommentiert GA-Chefredakteur Helge Matthiesen.

Er ist eines der ganz wenigen politischen Talente, das die SPD im Moment hat. Kevin Kühnert will in den Bundestag wechseln. Das ist  eine richtige Entscheidung – wenngleich sie ein Risiko für ihn birgt. Bisher hat er die Partei von ihrem  Rand aus vor sich her getrieben und die beiden amtierenden Vorsitzenden Walter-Borjans und Esken in einer geschickten Kampagne gegen den Willen der Fraktion durchgedrückt. Jetzt will er dorthin, wo die SPD noch einen Rest von politischer Substanz und Struktur hat: In die Fraktion selbst. Man wird sehen, ob da noch jemand Rechnungen mit ihm offen hat.

Die Konfliktlinien in der Partei werden sich damit in jedem Fall verändern. Kühnert ist dort, wo sich extreme Positionen abschleifen, weil es darum geht, Volkspartei zu sein und Politik für alle zu machen. Er wird sich anpassen müssen. Der linke Flügel der SPD bekommt in der Fraktion  mit ihm mehr Gewicht. Kühnert geht den Weg, den die meisten seiner Vorgänger im Vorsitz der Jungsozialisten beschritten haben. Aus dem Politiknachwuchs der Sozialdemokraten in den Bundestag. Gerhard Schröder ist sein prominenter Vorgänger.

Nicht alle Juso-Vorsitzende waren  dabei  erfolgreich. Von vielen verliert sich die Spur kurz nach dem Ende der Juso-Karriere. Kühnert steht an einem entscheidenden Wendepunkt seiner Karriere. So geplant und wohlüberlegt, wie dieser Schritt vollzogen wird, muss man sich um ihn keine Sorgen machen. Er ist anpassungsfähig und politisch klug genug.

Mehr noch wird ihm nützen, dass es nur wenig vielversprechenden Politiker-Nachwuchs  in der SPD gibt. Während in der CDU eine ganze Reihe von Altersgenossen bereits profiliert sind, scheint Kühnert derzeit allein auf weiter Flur. Das ist für die Zukunft der SPD ein Krisensymptom.