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Kommentar zur Bundeswehrtagung: An der Materialfront

Kommentar zur Bundeswehrtagung : An der Materialfront

Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer will die schweren Mängel bei der Bundeswehr mit einer „Initiative Einsatzbereitschaft“ abstellen. Ob dies wenigstens teilweise die Dinge in eine bessere Zukunft lenken kann, muss Kramp-Karrenbauer dringend hoffen, kommentiert GA-Korrespondent Holger Möhle.

Die Verwaltung des Mangels ist keine Lösung mehr. Annegret Kramp-Karrenbauer steht unter Druck. Die Mängel der Truppe sind jetzt auch ihre Mängel, die Pannen werden auch zu ihren Pannen, die Ausfälle im Einsatz fallen ihr vor die Füße. Die deutsche Verteidigungsministerin, die auch wegen möglicher besserer eigenen Perspektiven in dieses Amt gelangt ist, braucht jetzt schnell Ergebnisse. Weil externe Beratung, die ihre Vorgängerin Ursula von der Leyen – auch unter Umgehung von Regeln der Ausschreibung – massiv einkaufen ließ, keine Besserung gebracht hat, setzt Kramp-Karrenbauer wieder stärker auf Wissen, Willen und auch Kreativität in der Truppe.

Ob die nun ausgerufene „Initiative Einsatzbereitschaft“ wenigstens teilweise die Dinge in eine bessere Zukunft lenken kann, muss Kramp-Karrenbauer dringend hoffen. Die Streitkräfte leiden nach vielen Jahren Friedensdividende und dem damit einhergehenden Sparkurs unter zu vielen Mängeln. Wenn sich Einheiten für ihren Auslandseinsatz aus der gesamten Bundeswehr Material zusammenleihen muss, um bestmöglich für ein solches Mandat gerüstet zu sein, liegt viel im Argen. Ein zentraler Mangel, den bislang kaum ein Minister abstellen konnte: Die Bundeswehr ist überorganisiert, blockiert sich selbst mit kleinteiligen Vorschriften und umständlichen Verfahren.

Kramp-Karrenbauer hat in den zurückliegenden Monaten immer wieder einer stärkeren Rolle Deutschlands in der Welt das Wort geredet und robuste Mandate etwa für Einsätze in Afrika gefordert. Will die Bundesregierung eine solche neue Rolle in der Welt tatsächlich einnehmen, muss sie die Bundeswehr besser ausrüsten.

Aktuell ist die Einsatzarmee Bundeswehr in vielen Truppenteilen eine Mangelarmee. Das ist kein schönes Etikett. In der Vergangenheit sind viele Versuche gescheitert, das undurchsichtige Dickicht bei den milliardenteuren Großprojekten der Bundeswehr transparenter zu machen und mit weniger Risiko für die Steuerzahler zu gestalten. Kramp-Karrenbauer hätte schon viel geschafft, würde es ihr tatsächlich gelingen, langwierige Beschaffungswege zu beschleunigen und zu vereinfachen. Die Soldatinnen und Soldaten würden es ihr danken. Vorgängerin von der Leyen war zuletzt froh, den Spitzenposten im kompliziertesten Ministerium der Bundesregierung los zu sein und nach Brüssel zu wechseln. Kramp-Karrenbauer ist die nächste, die sich an einer Reform versucht.