Kommentar Antrittsbesuch des Bundespräsidenten - Angekommen

Bundespräsident Joachim Gauck hat das Rheinland wieder verlassen. Doch schon in Kürze wird er die nächsten Termine in Bonn und der Region wahrnehmen, wird sich wieder wohlfühlen und den Menschen das Gefühl geben, für sie da zu sein. Gauck hat gelungene Tage hinter sich.

Der Antrittsbesuch war geprägt von Nähe, von zahlreichen Gesten gegenseitigen Respekts und großer Begeisterung bei den Menschen, die bei den öffentlichen Terminen an Straßen und auf Plätzen standen und dem Bundespräsidenten und seiner Lebensgefährtin Daniela Schadt zujubelten, ihnen Briefe und kleine Geschenke überreichten. Er verlasse das Rheinland mit schwer zu überbietenden Eindrücken, lautete sein Fazit.

Auf dem Programm stand das Bekenntnis zu Bonn, zur Region, zu historischen Stätten wie dem Adenauer-Haus oder dem Museum Koenig, auch zu Rheinland-Pfalz. Er hob die Bedeutung des Ehrenamts für die Gesellschaft hervor, war vor allem vom Besuch des integrativen Hauses am Müllestumpe sichtlich beeindruckt.

Die "Bonn-Woche" machte deutlich, dass Joachim Gauck schnell im Amt des Bundespräsidenten angekommen ist. Man erlebte einen Menschen, der sich seiner Verantwortung bewusst ist und die Herzlichkeit, die ihm und dem Amt entgegengebracht wird, sichtlich genießt. Andererseits scheint Gauck bemüht, sich nicht blenden zu lassen: Bodenhaftung behalten, wissen, wo die Wurzeln sind. Insofern waren die Tage auch eine persönliche Reise des Bundespräsidenten und des Bürgers Gauck in die Bonner Republik, die nach dem Zweiten Weltkrieg zum Synonym für ein demokratisches Deutschland wurde.

Gauck kommt gut an, zeigt sich schlagfertig, charmant, humorvoll. Er geht auf die Menschen zu, findet intuitiv den richtigen Ton, redet etwa mit Kindern so, dass sie ihn verstehen.

Mit Äußerungen zu den großen politischen Themen hat er sich bisher allerdings zurückgehalten. Die Finanz- und Schuldenkrise, die Zukunft des Euro, die Rolle Deutschlands innerhalb und außerhalb Europas etwa dürften Themen sein, zu denen er sich absehbar zu Wort meldet - und auch melden sollte.

Offensichtlich ist, dass er dem Kampf gegen Rechtsextremismus besonderes Gewicht gibt. Am Sonntag wird er an der Kundgebung in Rostock-Lichtenhagen teilnehmen, die an die rassistischen Ausschreitungen vor 20 Jahren erinnert. Ein Thema, das Gauck sichtlich bewegt und bei dem er Stellung bezieht, vermutlich auch am Sonntag. "Überall, wo die Braunen auftreten, sind wir zehn Mal mehr als die. Und das macht Mut", sagte er kürzlich.

Gauck ist auf dem Weg, ein Bürger-Präsident im besten Sinne zu werden. Und vieles spricht dafür, dass er sich bald stärker einmischen wird. Weil er nicht anders kann und nicht anders will.

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