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Kommentar zum Coronavirus in Bonn: Bedacht und wachsam

Kommentar zum Coronavirus in Bonn : Bedacht und wachsam

Es ist bedenklich, wie unterschiedlich die Länder mit dem neuen Coronavirus umgehen. Es wirkt, als wird nur auf eine veränderte Situation reagiert, anstatt sich langfristig vorzubereiten. Ein Kommentar zum Coronavirus von GA-Redakteur Nicolas Ottersbach.

Das Szenario, das mancher Bonner Arzt ausmalt, wirkt düster. Wäre der durch das neue Coronavirus ausgelöste Krankheitsverlauf nicht so milde wie bisher, wären die Krankenhäuser nicht gewappnet. Schon jetzt herrscht Mangelwirtschaft: Schutzkleidung und Desinfektionsmittel werden nicht nur auf dem freien Markt knapp, sondern auch die Ärzte müssen sich Gedanken machen, wie lange die Vorräte noch reichen.

Bedenklich stimmt der Vergleich, wie unterschiedlich die Länder mit dem neuen Coronavirus umgehen. Sie machen ihre Grenzen dicht, führen standardisiert Fiebermessungen ein. Große Veranstaltungen werden in Asien rigoros abgesagt, während in Deutschland Tausende in Fußballstadien strömen. Bestände an Schutzkleidung werden zentral an Einrichtungen verteilt. In Deutschland liegen Mundschutze in Privatwohnungen herum, während sie in den Krankenhäusern und von gefährdeten Personen dringend benötigt werden, obwohl sie im Alltag kaum etwas bewirken. Genauso wie Desinfektionsmittel, obwohl es ausreicht, die Hände mit Seife zu waschen.

Es wirkt, als wird nur auf eine veränderte Situation reagiert, anstatt sich langfristig vorzubereiten. Das kann man nun als besonnene Reaktion deuten, die keine Panik schüren  soll. Oder wie die Bonner Ärzte es als völlig falsch bezeichnen, um eine Ausbreitung des Coronavirus wirksam zu verhindern. Das beste Beispiel ist die städtische Bestandsaufnahme, welche Schutzkleidung und Testmaterialien überhaupt noch verfügbar sind. Das hätte man nicht erst jetzt, sondern vor Wochen machen müssen.

Trotz aller Kritik: In Panik zu verfallen und Hamsterkäufe zu tätigen, bringt niemandem etwas. Es sorgt nur dafür, dass sich die Situation verschlimmert, was man an den Apothekenpreisen für Schutzmasken sieht. Stattdessen ist ein unaufgeregter und sachlicher Umgang gefragt, der nicht verharmlost, aber auch nicht verängstigt.