Kommentar Berlusconis Rückkehr - Römische Tragödie

Der Sonnenkönig hat mir den Rücken gekehrt." So kommentierte Mario Monti vor Tagen die politische Lage in Italien. Der Sonnenkönig, damit konnte nur Silvio Berlusconi gemeint sein, der seine Kandidatur als Spitzenkandidat für die Parlamentswahlen in Italien kundgetan und gleichzeitig dem Ministerpräsidenten seine Gefolgschaft entzogen hatte.

Berlusconis Rückkehr ins politische Rampenlicht geht einher mit dem Abgang Mario Montis. Die Dramaturgie der italienischen Tragödie könnte nicht bedeutungsvoller sein. Wenn der populistische Rattenfänger zurückkehrt, ist kein Platz mehr für den seriösen und staatsbewussten Professor. Monti und Berlusconi schließen sich gegenseitig aus.

Doch das ist nur die halbe Wahrheit. 13 Monate lang koexistierten die beiden, schließlich war Berlusconis Partei "Volk der Freiheit" (PdL) zahlenmäßig der größte Unterstützer der Technokraten-Regierung. Nun geht die Legislaturperiode zu Ende, und mit der Rückkehr Berlusconis hat auch der Wahlkampf vorzeitig begonnen.

Nichts anderes bedeuten die Abstimmungsenthaltungen des PdL und die Worte des Parteisekretärs Angelino Alfano, die Regierung Monti sei am Ende. Sie sind Provokationen, die Monti nicht ertragen will.

Er sprang vor mehr als einem Jahr ein, um den von Berlusconi verursachten finanziellen und wirtschaftlichen Notfall zu entschärfen. Berlusconi will die Wähler nun das Gegenteil Glauben machen. Monti sei für Stillstand und Arbeitslosigkeit verantwortlich, dabei hat der PdL alle Gesetze der Regierung mitgetragen.

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