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Kommentar zur Zukunft des Stadtarchivs: Beschluss mit Bedenken

Kommentar zur Zukunft des Stadtarchivs : Beschluss mit Bedenken

Dass sich der Stadtrat die Entscheidung über die Zukunft des Stadtarchivs nicht leicht gemacht ist, ist mit Blick auf die Bauskandale in Bonn verständlich. Die Kosten von 29 Millionen Euro sind kein Pappenstiel, kommentiert unsere Autorin.

Die Diskussion um die Zukunft des Stadtarchivs verlief bisher so wie sie bei vielen anderen drängenden Themen in der Stadt geführt werden: schleppend. Jetzt hat der Stadtrat 13 Jahre, nachdem das Archiv das erste Mal unter Wasser stand, endlich einen Punkt hinter die Endlosdebatte um den Neubau und die Sanierung der früheren Pestalozzischule gegenüber dem Stadthaus gesetzt. Das ist für Bonn eine gute Nachricht. Schließlich handelt es sich beim Stadtarchiv um das Gedächtnis unserer Stadt. Nicht nur, weil es das Gesetz vorschreibt, muss es geschützt werden. Es ist auch eine moralische Verpflichtung gegenüber den nachfolgenden Generationen.

Dass der Stadtrat diesen Beschluss mit einigen Bedenken und Bauchschmerzen gefasst hat, ist angesichts der Bauskandale in Bonn in den letzten Jahren – erinnert sei an das Desaster beim Bau des WCCB oder aktuell bei der Beethovenhalle – durchaus verständlich. Die derzeit vorliegenden Kosten in Höhe von 29 Millionen Euro (bei denen es aller Erfahrung nach wohl eher nicht bleiben wird) sind kein Pappenstiel. Zumal noch weitere Großbauprojekte wie Stadthaus, Oper, Stadthalle Bad Godesberg und die Bonner Bäder auf der Agenda von Rat und Verwaltung stehen. Man darf gespannt sein, wie Lutz Leide, der neue Chef des Städtischen Gebäudemanagements, diese Herkulesaufgaben stemmen wird.

Nicht zu vergessen ist die bisher ungelöste Frage, wie es mit dem Stadtmuseum weitergeht, das mehr schlecht als recht im Verwaltungstrakt des ehemaligen Vilktoriabads an der Franziskanerstraße untergebracht ist. Die gute Idee, es mit dem Stadtarchiv unter einem Dach zu vereinen, ist jetzt wohl leider obsolet. Vom Tisch ist das Problem mit dem Stadtmuseum damit aber nicht.