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Kommentar zu Nordkoreas neuem Atomwaffentest: Bittere Wahrheit

Kommentar zu Nordkoreas neuem Atomwaffentest : Bittere Wahrheit

Zum sechsten Mal hat Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un eine Nuklearbombe getestet – sie war mehr als zehnmal so stark war wie beim Test vor einem Jahr. Was aber noch sehr viel schwerer wiegt, ist die politische Sprengkraft.

Beim Test vor einem Jahr regierte noch ein besonnener US-Präsident. Mit Donald Trump im Amt steht ein Mann an der Spitze der USA, der selbst zu Unberechenbarkeit neigt. Beeindrucken lässt sich Kim Jong Un davon nicht.

Viele Möglichkeiten zur Eindämmung der Nordkorea-Krise hat die Welt nun nicht mehr. Ein Angriff, wie Trump ihn erwägt, wäre verheerend. Südkoreas Hauptstadt Seoul mit ihren über 20 Millionen Einwohnern ist ein globales Kraftzentrum. Auch ohne Nuklearwaffen könnte Nordkorea die Region binnen kurzer Zeit in Schutt und Asche legen – mit Folgen für die ganze Weltwirtschaft. Nicht einmal mit noch schärferen Sanktionen lässt sich das Kim-Regime bändigen. Denn das würde das Regime dazu verleiten, noch aggressiver aufzutreten. Die Gefahr – das zeigt die Erfahrung mit Japan im Zweiten Weltkrieg –, dass die Bevölkerung sich nach verschärften Sanktionen erst recht hinter ihr mörderisches Kriegsregime stellt, ist groß.

Als einzige Option bleiben Verhandlungen. Washington sollte sich dazu durchringen, Diplomaten nach Pjöngjang zu schicken, und mit dem Regime über Lebensmittelhilfe reden. Das ist das, was Kim für sein Land will. Eins steht allerdings auch bei dieser Option fest: Auf eine Denuklearisierung wird sich Pjöngjang nicht einlassen. So bitter das klingt: Der Welt bleibt nichts anderes übrig, als Nordkorea als Atommacht zu akzeptieren – dauerhaft.