Kommentar Blamabel - Protest gegen Kissinger-Professur

Henry Kissinger könnte es gleichgültig sein, ob er an der Universität Bonn willkommen ist. Der Alma Mater in der ehemaligen Bundeshauptstadt kann es nicht egal sein.

Da will die Bundesregierung, vertreten durch das Auswärtige Amt und das Verteidigungsministerium, über fünf Jahre eine Henry-Kissinger-Professur stiften - und an der Universität und um sie herum entsteht eine große Protestbewegung. Dieser Protest ist in Teilen verständlich, schließlich war Kissinger beteiligt an den Kriegen in Indochina und an den Interventionen in Chile und Argentinien. Aber daraus wird noch lange kein Kriegsverbrecher, wie ihn die Linke jetzt tituliert.

Henry Kissinger, Spross einer jüdischen Familie, die vor den Nazis fliehen musste, ist einer der ganz großen Politiker der Nachkriegswelt, einer der sich "um Friedenspolitik und Entspannung, um Sicherheit und Abrüstung in der Welt verdient gemacht" hat, wie Ex-Außenminister Guido Westerwelle gesagt hat. Das ist vielleicht ein bisschen dick aufgetragen, aber in der Tendenz stimmt es.

Jüngst in der Ukraine-Krise hat Kissinger gesagt: "Wir sollten Versöhnung wollen, nicht Dominanz."Einem solchen Weltpolitiker die Ehre einer Stiftungsprofessur in Bonn zu verwehren, wäre provinziell und blamabel zugleich. Es würde - doch das gehört zusammen - dem internationalen Ruf Bonns schaden, so wie die Pleite des WCCB ihm geschadet hat. Deshalb ist es gut, dass die Offiziellen bei ihrer Unterstützung des Projekts bleiben. So schön Karo sein mag: Es kann auch zu klein sein.

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