Kommentar Chaos bei der Bahn - Mainz ist überall

Eigentlich muss man der Bahn dankbar sein. Denn die wenigen Stellwerker, die in Mainz krank sind und es damit schaffen, große Teile des örtlichen Zugverkehrs lahmzulegen, lenken endlich die gesamtdeutsche Aufmerksamkeit auf Zustände, wie sie nicht nur bei der Bahn, sondern in vielen deutschen Unternehmen seit Langem herrschen.

Mehr Produktivität, mehr Umsatz und vor allem mehr Gewinn, und das mit weniger Personal und wenn möglich noch mit schlechter bezahltem - nach diesen Vorgaben ticken doch nach wie vor noch viel zu viele Unternehmen landauf, landab. Die Personaldecken sind häufig so dünn, dass es bei Krankheitsfällen zu Problemen im Betrieb kommt. Nur selten so öffentlichkeitswirksam wie bei der Bahn. Kürzlich etwa wurde bekannt, dass sich bei Air Berlin Zehntausende Kundenanfragen stapeln, die, wenn überhaupt, dann erst in Monaten beantwortet werden können.

So ist es eben: Wer nicht krank oder im Urlaub ist, erstickt in Arbeit. Nach einer neuen Studie der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin unter 17.000 Beschäftigten klagt mehr als jeder Zweite über starken Termin- und Leistungsdruck. 16 Prozent geben an, häufig an der Grenze der Leistungsfähigkeit zu arbeiten. Die Krankenkassen berichten, dass seit einigen Jahren die Zahl der psychischen Erkrankungen am Arbeitsplatz drastisch zunimmt.

Dass in Firmen effizient gearbeitet werden sollte, geht in Ordnung. Es gibt aber immer einen Punkt im Betrieb, wo Effizienz in Verschleiß umkippt. Nicht nur bei der Bahn scheint er erreicht zu sein. Mainz ist überall.

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