1. Meinung
  2. Kommentare

Coronavirus: Kommentar zum Bundesliga-Stopp - Die Welt dreht sich weiter

Kommentar zum Bundesliga-Stopp : Die Welt dreht sich weiter

Bis zuletzt hat König Fußball gekämpft, nun muss sich auch der Platzhirsch des europäischen Sports der Realität beugen. König Fußball schwebt eben nicht komplett über den Dingen, meint unser Autor.

Das Coronavirus stellt eine Bedrohung für die Öffentlichkeit dar – auch rund um den Ball. Die DFL hat die Reißleine gezogen, die Liga ist ausgesetzt, der Ball ruht erstmals in der Geschichte der Bundesliga. Der König gibt das Zepter aus der Hand. Nur leider erst in der Nachspielzeit.

Fußballfunktionäre schweben gerne schon einmal über den Dingen, blenden mitunter Korruption, mangelnde Menschenrechte, sogar Betrug aus. Auch die aktuelle Lage sollte dem Fußball erst einmal nichts anhaben. Coronavirus hin, Pandemie her. Für die Männer auf dem Rasen und die Fans auf den Rängen galten die Empfehlungen der Gesundheitsämter nicht. Wie auch? Fußball ohne Körperkontakt und Reisen, dafür aber mit Sicherheitsabstand sind nicht vorstellbar. Stattdessen gab es ein groteskes Schwarzer-Peter-Spiel, wer denn letztlich für die Spielabsagen verantwortlich und damit in Regress zu nehmen sei. Es wurden bizarre Geisterspiele absolviert. Dafür rotteten sich die Anhänger vor den Stadien oder in Kneipen zusammen – eine Virus-Infektion billigend in Kauf nehmend. Die Vereine, der Verband waren fein raus.

Das Geschäft mit dem Ball ist ein lukratives. Vier Milliarden Euro setzt die DFL mit ihrer Bundesliga pro Saison um, mehr als ein Drittel aus der medialen Vermarktung. Es gibt Millionendeals um TV-Rechte und Sponsoring. Nur ist kein Geld der Welt mit der Gesundheit eines Menschen vergleichbar. König Fußball schwebt eben nicht komplett über den Dingen. Heute genauso wenig, wie im Februar, als die ersten Infektions-Fälle bekannt wurden.

Jetzt hat die DFL reagiert – deutlich zu spät. Vermutlich auch, weil der soziale Druck zu groß geworden ist. Spanien, Italien, ja sogar die Uefa haben eingelenkt und ihre Wettbewerbe unterbrochen. Natürlich schmerzt das. Doch unterm Strich geht es weder um Panikmache, noch um Repressalien – es geht einzig um die Gesundheit. Eins ist sicher: Der Ball ruht zwar, doch die Welt dreht sich weiter.