Kommentar zu Baerbock und Habeck Das Bild des unzertrennlichen Grünen-Spitzenduos hat gelitten

Meinung · Nach einer Serie von Pannen ist die Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock schwer angeschlagen. Co-Parteichef Robert Habeck hat ihr nun nach langem Schweigen den Rücken gestärkt - denkbar spät. Die Grünen müssen ihr Versprechen eines neuen Politik- und Führungsstils nun erneuern, kommentiert Jana Wolf.

  Annalena Baerbock und Robert Habeck.

Annalena Baerbock und Robert Habeck.

Foto: dpa/Kay Nietfeld

Kokolores sei das, sagt Grünen-Co-Chef Robert Habeck, als er nach einem möglichen Rollentausch mit Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock gefragt wird. Mit dieser Aussage unternahm er am Wochenende den späten und angestrengten Versuch, Baerbock den Rücken zu stärken und Einigkeit im Spitzenduo nach außen zu tragen. Doch schon die öffentliche Diskussion darüber, ob Habeck die Kanzlerkandidatur übernehmen könnte, zeigt, wie sehr die Grünen ins Straucheln gekommen sind. Erst die Debatte über Baerbocks Studienabschluss, dann der geschönte Lebens lauf, schließlich die Plagiatsvorwürfe wegen ihres Buches, obendrein die Frage nach dem Promotionsstipendium – all das hat dem Vertrauen in die Kanzlerkandidatin geschadet. Habeck hat es mit seiner langen Zurückhaltung nicht besser gemacht, im Gegenteil. Auch sein Schweigen sagt etwas – und am Ende sogar mehr, als wenn Habeck sich früh und unzweifelhaft hinter Baerbock gestellt hätte. Er tat es nicht. Er zog sich kapriziös zurück und ließ Baerbock die Suppe alleine auslöffeln. So hat das Bild der unzertrennlichen Doppelspitze gelitten.