Kommentar Das Gutachten zur Costa Concordia - Unverantwortlich

Kreuzfahrtschiffe sind schwimmende Städte. In Venedig protestieren die Bürger zu Recht gegen das Einlaufen dieser Ungeheuer in ihre empfindliche Lagune.

Auch das Unglück des Riesenvergnügungsschiffs Costa Concordia im Januar 2012 vor der italienischen Insel Giglio mit 32 Todesopfern hat brutal deutlich gemacht, wie viel Verantwortungsbewusstseins es im Umgang mit diesen nur scheinbar unsinkbaren Ozeanriesen bedarf.

Im Fall der Costa Concordia, die 4231 Passagiere beherbergte, hat dieses Bewusstsein eindeutig gefehlt.Versagt haben nicht nur Kapitän Francesco Schettino und andere Besatzungsmitglieder, sondern vor allem die Verantwortlichen der Reederei Costa Crociere.

Das Gutachten aus der Auswertung des Fahrtenschreibers räumt nun eindeutig mit der Legende vom Einzeltäter auf. Vom Bodenpersonal bis zum Matrosen wurden verhängnisvolle Fehler begangen.

Damit zeigt sich, dass Unverantwortliche an Positionen sitzen, an denen es hingegen größter Vorsicht bedarf. Der tiefe Grund des Übels ist offenbar eine mangelhafte Auswahl des Personals durch die Reedereien. Der Markt der Billigkreuzfahrten ist von vielen Anbietern umkämpft. Die Reedereien locken mit Dumping-Angeboten und sind gezwungen, ihre Kosten zu reduzieren.

Es wäre fatal, wenn das Concordia-Unglück auf diesen Kampf zurückzuführen wäre. Doch der Verdacht drängt sich auf, dass die Veranstalter der Billig-Kreuzfahrten dort sparten, wo Investitionen am Nötigsten wären: beim Personal.

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