Kommentar zum Management der Ukraine-Krise Merkels Erbe

Macron übernimmt Merkels Rolle, die Bundesregierung zögert derweil bei ihrem Management der Ukraine-Krise.

 Annalena Baerbock (Bündnis 90/Die Grünen), Außenministerin, informiert sich an der Frontlinie zwischen der ukrainischen Armee und den von Russland unterstützten Separatisten über die Lage im Konfliktgebiet Donbass. 

Annalena Baerbock (Bündnis 90/Die Grünen), Außenministerin, informiert sich an der Frontlinie zwischen der ukrainischen Armee und den von Russland unterstützten Separatisten über die Lage im Konfliktgebiet Donbass. 

Foto: dpa/Bernd von Jutrczenka

Wenn es am Ende gut ausgeht, sei Emmanuel Macron der Erfolg von Herzen gegönnt. Der französischen Präsident ist gerade dabei, sich zum zentralen Vermittler in der Ukraine-Krise aufzuschwingen. Macron ist es, nicht Bundeskanzler Olaf Scholz, der das Erbe von Angela Merkel anzutreten scheint.

Denn das war ja bis zum Herbst die Rollenverteilung in Europa: Wenn im Osten etwas schiefläuft, ist die Russisch sprechende Kanzlerin gefragt. Nun also jettet Macron von Paris über Moskau nach Kiew und weiter nach Berlin. In der Ukraine bootet er wie nebenbei Annalena Baerbock aus. Zwar war es kaum Macrons Schuld, dass der ukrainische Präsident der deutschen Außenministerin einen Korb gab.

Aber Baerbock hatte vorher schon eine Absage ihres französischen Kollegen hinnehmen müssen. Der hatte mit ihr nach Kiew fliegen wollen, musste dann aber Macron nach Moskau begleiten.

Noch einmal: Wenn das Ergebnis stimmt und Wladimir Putin einlenken sollte, gäbe es an all dem nicht viel zu kritisieren. Außer ein paar Stilfragen vielleicht. Aber so weit ist es noch lange nicht. Putin laviert. Mal erhöht er den Druck, mal lenkt er ein klein wenig ein. Und deshalb wäre es in der aktuellen Lage extrem wichtig, dass sich Deutsche und Franzosen an einem Strang ziehen.

Derzeit sieht es danach allerdings nicht aus, was nicht zuletzt am zögerlichen Vorgehen der Bundesregierung liegt. Die beste Vorstellung lieferte in der Ukraine-Krise bislang noch Baerbock ab. Aber sie kann am Ende nur so gut sein, wie es die Koalitionsdisziplin zulässt. Und da hält die SPD mit Scholz den Fuß auf der Bremse. Der Mann, der im Wahlkampf die Merkel-Raute machte, muss erkennen, dass ihm das Erbe seiner Vorgängerin nicht einfach so in den Schoß fällt.

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