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Kommentar zum Einsatz einer Corona-App: Dem Virus auf der Spur

Kommentar zum Einsatz einer Corona-App : Dem Virus auf der Spur

Noch gilt in Deutschland „nur“ Ausgangsbeschränkungen. Immer noch ist das Land am Anfang jener Kurve, auf der die Zahl der Corona-Infizierten angezeigt wird. Könnte eine Corona-App als Warninstrument in der Krise helfen?

Deutschland hat gut zwei Wochen Quarantäne hinter sich. Noch gelten hierzulande „nur“ Ausgangsbeschränkungen – vorerst bis Mitte April. Noch haben wir keine nahezu komplette Ausgangssperre wie in Italien oder Spanien. Es gibt – sehr reduziert – noch Verkehr auf den Straßen, Sport allein im Freien ist erlaubt, Spaziergehen zu zweit oder im Familienkreis. Stadien sind geschlossen, in Kirchen – bald ist Ostern – dürfen keine gemeinsamen Gottesdienste gefeiert werden. Immerhin stehen Kirchen in Zeiten, in denen viele Menschen Zuspruch brauchen, noch für das individuelle Gebet offen.

Immer noch ist das Land am Anfang jener Kurve, auf der die Zahl der Corona-Infizierten angezeigt wird. Zentrales Ziel der Regierungen in Bund und Ländern ist weiter, die Geschwindigkeit zu verlangsamen, mit der sich große Teile der Bevölkerung infizieren werden. Die Frage ist: Wie nur kann es gelingen, den Zeitraum, innerhalb dessen sich die Zahl der Infizierten verdoppelt, von fünf auf zehn Tage, besser auf zwölf Tage zu strecken? Als eine Möglichkeit, über die jetzt in höchster Corona-Not diskutiert wird, gelten anonymisierte Mobilfunkdaten, mit denen Menschen über eine App gewarnt werden, wenn sie – im Bus, auf der Straße, im Supermarkt – Kontakt mit einem bestätigten Infizierten hatten.

Dem Virus auf der Spur. Es wäre fahrlässig, eine solche App, ein solches digitales Warninstrument in einer Krise dieses Ausmaßes nicht einzusetzen. Schließlich lassen sich dadurch Menschenleben retten, weil der Grad der Infizierung der Bevölkerung dadurch einen anderen, einen für viele Menschen günstigeren Verlauf nehmen kann. Nicht zu vergessen: Auch der Weg zurück in den Zustand von (relativer) Normalität, jedenfalls hin zu einer Lockerung der Ausgangsbeschränkungen, könnte mit einer solchen Applikation beschleunigt werden.

Es spricht in dieser Ausnahmesituation wenig gegen eine digitale Spurverfolgung, solange diese Form der digitalen Erfassung von Bewegungsmustern freiwillig ist und nicht verpflichtend. Und: Diese Daten müssen, wenn der Corona-Spuk hoffentlich vorbei ist, wieder gelöscht werden. Die freiheitliche Demokratie lebt von der Freiheit – gerade deshalb muss sie in diesen Tagen eine Debatte über digitale Bürgerrechte führen. Darüber, welche Daten der Staat in einer Ausnahmesituation – auch zum gesundheitlichen Selbstschutz seiner Bürger – speichern darf, und welche nicht dem Staat gehören.