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Kommentar: Demografische Entwicklung - Konzepte gesucht

Kommentar : Demografische Entwicklung - Konzepte gesucht

Die Bertelsmann-Studie zur Bevölkerungsentwicklung dürfte in den Amtsstuben klammer Bürgermeister kaum Begeisterung auslösen. Die Städte wachsen, was nicht immer nur positiv ist, die Dörfer schrumpfen, was vor allem negativ ist. Situation und Ursachen sind überall andere, eine Demografie-Strategie auf nationaler Ebene fehlt.

Klar ist nur: Die Kommunen werden zu Gestaltern des Wandels vor Ort, und sie haben keine andere Wahl. Sie haben aber auch oft kein Konzept und in NRW kein Geld.

Bonn und Köln sind da die glückliche Ausnahme. Wer nur den Zuzugsboom verwalten muss, braucht den Bürgern nicht weh zu tun, indem er ihnen ständig etwas streicht. Jobs, Kultur, Natur, schöne Innenstädte - die Rheinschiene zeigt, wie Städte Einwohner anlocken. Hier gilt es, Mieten verträglich zu halten, Mobilität zu optimieren, Kitas auszubauen.

Für das andere NRW sind das Luxusprobleme. Randgebiete des Rheinlandes kämpfen gegen Entsiedelung und Überalterung, Ruhr-Städte gegen die Erosion ganzer Viertel. Leipzig wächst bis 2030 um 14 Prozent, das in Aspekten vergleichbare Duisburg schrumpft um fünf Prozent. Diese disparate Entwicklung ist auch eine Frage der Landes- und Bundespolitik, weshalb es fatal wäre, Kommunen in der Abwärtsspirale weiter allein zu lassen.

Sie brauchen nicht nur Konzepte, um die Infrastruktur ausblutender Orte an Senioren anzupassen. Werden die Fragen des letzten Lebensabschnitts - Stichwort Pflegereform, Krankenhausreform - nicht gelöst, kristallisiert sich in NRWs Verliererkommunen ein noch viel größeres Drama.