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Kommentar: Demonstrationen in Russland - Putins Dilemma

Kommentar : Demonstrationen in Russland - Putins Dilemma

Daumenschrauben anziehen, Daumenschrauben wieder lockerlassen, ein Stückchen nur, denn wo käme man sonst hin? Ein wenig demokratisch muss das Ganze doch aussehen. Russlands Präsident Wladimir Putin aber ist vieles, mal ein Bärenerleger, mal ein Amphorentaucher, ein Reformer oder auch ein Kriegsherr. Eines aber ist er nicht: ein Demokrat.

Das, so zeigen die Pläne zur Unterdrückung seiner Gegner, wird er in den kommenden sechs Jahren als Präsident auch nicht werden. Mag da der friedliche "Marsch der Million" durch die Moskauer Straßen am Dienstag auch ein etwas entspannteres Bild geliefert haben, als es nach den Hausdurchsuchungen bei führenden Oppositionellen und nach der übereilten Unterzeichnung des Demonstrationsgesetzes zu befürchten war.

Es ist lediglich ein kurzes Aufatmen, das der Opposition nur ein wenig Raum lässt und gleichzeitig für Putins größtes Problem sorgt: Die Menschen lassen sich nicht mehr einschüchtern.

Je mehr Russlands Staatsspitze ihr Volk verhöhnt, je willkürlicher sie zuschlägt, desto radikaler reagiert dieses Volk, was der Kreml wiederum nutzt, um noch härter gegen seine Gegner zu agieren. Alle vermeintlichen Aufrührer können Putins treue Sicherheitsorgane aber nicht festnehmen.

Zumal das Risiko besteht, dass der innere Druck der selbstbewussten Bürger, vor allem in der Hauptstadt, das System zum Bersten bringt. Das aber ist weder im Sinne Putins noch im Sinne von Russlands zersplitterter Opposition. Die Daumenschrauben-Taktik des Kremls ist für das Land fatal.