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Kommentar: Der Bundespräsident in Polen - Gaucks Herzenssache

Kommentar : Der Bundespräsident in Polen - Gaucks Herzenssache

Es war eine außerordentlich gute Idee des Bundespräsidenten, drei Tage nach seiner Vereidigung Warschau als erstes Auslandsreiseziel zu besuchen. Joachim Gauck traf auf ein Land, das sich seine Demokratie und Freiheit beharrlich erkämpft hat.

Die Polen haben nie einen Zweifel daran gelassen, dass sie für diese Errungenschaften kämpfen. Sie haben sich - in einer für die deutsch-polnischen Beziehungen schwierigen Zeit - gegen den Weg der national-konservativen Kaczynski-Brüder gestellt und auf die lange Zeit modische Stimmungsmache gegen alles Deutsche verzichtet.

Die Zeit, wo den bilateralen Beziehungen höchste Gefahr drohte, ist vorüber. Das ist einmal den polnischen Wählern geschuldet, die sich für Aufbruch und Anbindung an die EU einsetzten. Zum anderen hegte und pflegte Gauck-Vorgänger Christian Wulff das gute Verhältnis gerade zum polnischen Präsidenten. Und indem sich Gauck entlocken ließ, der Besuch sei ihm eine "Herzenssache", traf er auch die polnische Gefühlswelt.

Gleichwohl muss Gauck Diplomat genug sein, um zu wissen, dass die Jungfernfahrt in den östlichen Nachbarstaat nicht das Gefühl der Zurücksetzung auslösen darf. Das prestigebewusste Frankreich wird - Präsidentenwahlkampf hin oder her - auf einen raschen Besuch Gaucks größten Wert legen. Ähnliches gilt für Washington.

Wie denkt Gauck über einen Türkei-Besuch? Auf seinem Schreibtisch liegt ein fertiges Konzept für eine Afrika-Reise. Es gibt jede Menge Arbeit, die sich mit "Herzenssache" nicht umschreiben lässt.