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Kommentar: Der Erfolg der AfD - Häme und Polemik

Kommentar : Der Erfolg der AfD - Häme und Polemik

Interessant, wie sich Geschichte manchmal doch wiederholt. Vor rund 35 Jahren tauchte eine neue politische Bewegung in der Bundesrepublik auf.

Die Partei, die sich damals bildete, besetzte thematische Leerstellen, die die etablierten Parteien vernachlässigten, zu allererst Umweltschutz und Friedenspolitik. Das Personal der neuen Gruppierung war, vorsichtig ausgedrückt, heterogen: An den Rändern trafen besorgte Konservative auf Linksextremisten. Die etablierten Parteien reagierten mit Abgrenzung, Häme und Polemik auf die politische Konkurrenz - die Rede ist von den Grünen.

Und heute? Dieselbe Abgrenzung, Häme und Polemik prägen die Auseinandersetzung mit der Alternative für Deutschland. Eine Partei, die immerhin 22 Prozent der Deutschen für wählbar halten. Im Chor der AfD-Kritiker singen übrigens auch die Grünen.

Nichts gelernt? Denn die AfD besetzt Themen, die nach Ansicht vieler Bürger vom politischen Establishment vernachlässigt werden: Vom Unbehagen gegenüber einem überkomplexen Europa mit seiner Währung bis zu (ultra-)konservativen Wertvorstellungen etwa in der Familienpolitik. Die AfD ist allerdings weit davon entfernt, eine homogene Partei mit gefestigten Strukturen zu sein. Viele Einlassungen auch führender Vertreter verursachen Kopfschütteln.

Es ist jedoch Kennzeichen und Stärke demokratischer Systeme, dass sie in der Lage sind, gesellschaftliche Strömungen elastisch in den politischen Prozess zu integrieren, auch wenn diese nicht jedermann Sache sind. So geschehen vor 35 Jahren im Fall der Grünen. Heute gehören deren Kernthemen in jedes Parteiprogramm.