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Kommentar: Der Rücktritt von Annette Schavan - Anständiger Abgang

Kommentar : Der Rücktritt von Annette Schavan - Anständiger Abgang

Nach dem Rücktritt von Annette Schavan als Bundesbildungsministerin bleibt ein Gefühl der Leere. Anders als im Fall Guttenberg, als einem politischen Aufschneider und wissenschaftlichen Hochstapler das Handwerk gelegt wurde, trifft es diesmal eine stets leise arbeitende, seriös und bescheiden wirkende Politikerin, der man eine solche Schmach per se nicht gönnt.

Zudem wirft das Verfahren an der Universität Düsseldorf viele Fragen auf; es wird spannend sein zu beobachten, ob es einer juristischen Überprüfung standhält. Politisch dagegen ist alles klar: Schavan war in ihrem Amt nicht länger zu halten, der Schritt vom Wochenende unausweichlich - und sogar gerecht.

1. Wäre Schavan geblieben, hätte sie ihre Partei und die Bundeskanzlerin im Wahlkampfjahr geschwächt. 2. Schavan befand sich seit ihrer Ankündigung, gegen die Universität zu klagen, in einem Interessenkonflikt. Denn sie führt aus privaten Gründen einen Rechtsstreit mit einer Institution, der sie als Amtsträgerin nutzen oder schaden kann.

3. An eine Wissenschaftsministerin müssen mit Blick auf eigene wissenschaftliche Leistungen besonders hohe Maßstäbe angelegt werden. Seit bekannt wurde, dass Schavan erhebliche Regelverstöße beim Zitieren begangen hat, konnte sie ihre Vorbildfunktion nicht mehr glaubhaft wahrnehmen, auch wenn diese Fehler vor mehr als drei Jahrzehnten passiert sind und verzeihlich wirken.

Was bleibt, ist der Respekt vor einem konsequenten, für Schavan typisch unaufgeregten Abgang. Dass Angela Merkel diesen mit für ihre Verhältnisse viel Herzlichkeit begleitete (man denke nur an den eiskalten Rauswurf von Norbert Röttgen nach der verlorenen NRW-Landtagswahl), spricht nicht nur für sich, sondern vor allem für Schavan. 17 Jahre im Dienst der Bildungspolitik unterwegs gewesen zu sein, verdient Anerkennung.

Übertreiben sollte man es damit indes nicht. Zumindest als Bundesministerin hat Schavan nur wenig erreicht und war bei wichtigen Weichenstellungen wie etwa der - zu einem Großteil vergeigten - Bologna-Reform mehr Verwalterin als Gestalterin. Sicher lag das auch daran, dass der Bund in Bildungsfragen oft nur Zaungast ist. Vielleicht hätte Schavan hier ab und an über ihren Schatten springen und sich durch deutlichere Ansagen Gehör verschaffen sollen. Womöglich war sie zu leise für dieses durch den Bildungsföderalismus arg beschnittene Amt.

Es wäre schön, wenn Schavan mit ihrer ganzen Erfahrung der Politik weiter erhalten bliebe und ihrer Nachfolgerin als Parlamentarierin künftig mit Rat und Tat zur Seite stünde. Johanna Wanka, genauer: Dr. Johanna Wanka, erfüllt als neue Bundesbildungsministerin schon deshalb gute Voraussetzungen, weil sie nicht wegen irgendeines Proporzes ins Amt kommt, sondern wegen nachweislich erworbener Kompetenz.