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Kommentar: Der Tod Beresowskis - Symbol einer Epoche

Kommentar : Der Tod Beresowskis - Symbol einer Epoche

Der Tod Boris Beresowskis wirft ein Licht auf die wilden 90er-Jahre, als die Sowjetunion zusammenbrach und in Russland eine neue Zeit beginnen sollte. Eine, die mit Demokratie überschrieben war, jedoch in Anarchie mündete.

Der 67-Jährige ist ein Symbol einer Epoche, die das heutige Russland erst möglich machte. Beresowski war Jude, hatte zu Sowjetzeiten einen schweren Stand, erst mit 37 Jahren promovierte er, sah seine Karriere in der Wissenschaft. Im Chaos der 90er-Jahre verband er Geschick und Unverfrorenheit, um an seine ersten Millionen zu kommen - und machte einen bedeutsamen Fehler: Beresowski machte sich ein Kapitalismus-Verständnis zu eigen, wie er es in seinen Marxismus-Leninismus-Vorlesungen an der Uni gehört hatte: Nämlich dass Politiker, Beamte und Sicherheitskräfte lediglich Puppen in den Händen der Wirtschaftsmagnaten seien. Er wollte der mächtigste Magnat sein.

Beresowski setze auf Jelzin, auf Tschernomyrdin, schließlich auf Putin - als Pfand im post-jelzinschen Regime, in dem er sein fatales Spiel weiterzuspielen versucht war. Seine Ansprüche aber machten ihn zum Feind des neuen Präsidenten. Putin wollte keine Puppe sein, er wurde zum Anfang vom Niedergang des Oligarchen.

Noch aus dem britischen Exil versuchte Beresowski lange, sich als Alternative zum autoritären Putin anzubieten. Ein mühsames Unterfangen. Denn für die Russen blieb er ein Vorläufer der Herrschaft Putins, der zunächst im Begriff war, die alten Oligarchen abzuschaffen - und damit Erfolge feierte. Der aber dann neue Magnaten heranzog.