Deutsche Bischofskonferenz - Hoffen auf Neuanfang

Das Schlagwort vom Wandel durch Annäherung hat auch die Herbstvollversammlung der 66 (Erz-)Bischöfe und Weihbischöfe der 27 deutschen Diözesen geprägt, die gestern in Fulda zu Ende gegangen ist. Es waren nicht die großen Themen und Ankündigungen, die für Schlagzeilen hätten sorgen können.

Es war auch nicht Erzbischof Reinhard Kardinal Marx als neuer Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, der das Treffen prägte. Vielmehr war es der neue Ton, der sich wie ein roter Faden durch die öffentlichen Predigten und die Diskussionen hinter den verschlossenen Türen zog. Ein Ton, der seit Monaten aus Rom von Papst Franziskus vorgegeben wird und nun auch die Kirche vor Ort erreicht.

Ein ganz neues Hören auf die Menschen mit ihren Sorgen und Nöten hat eingesetzt. Die Bischöfe hören genauer hin, was die Laien bewegt, die immerhin weit über 90 Prozent der Mitglieder ausmachen. Da kündigt Kardinal Marx ein Hirtenwort für die geschiedenen Wiederverheirateten an. Wenn dieses nur die dogmatische Position vom Ausschluss von den Sakramenten wiederholt, können sich die Bischöfe das Papier sparen. Die Familie steht gegenwärtig im Mittelpunkt kirchlichen Nachdenkens. Inzwischen können auch die Bischöfe nicht mehr länger öffentlich leugnen, dass der Graben zwischen kirchlicher Lehre und alltäglicher Praxis immer tiefer wird, vor allem im Blick auf die Sexualität.

Papst Franziskus, Missbrauchsskandal, Limburg und Austrittszahlen haben zu einem Wandel geführt, der aber auch auf anderen Gebieten im Gang ist. Wie lange kann es die katholische Kirche noch durchhalten, was nicht nur den Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Manfred Rekowski, "schmerzt"? Zur Einführung des neuen Kölner Erzbischofs war er um ein Grußwort gebeten, zur anschließenden Eucharistiefeier aber war er ausgeladen worden. Dabei wird längst in vielen ökumenischen Kreisen Interkommunion praktiziert. Warum nur unter dem Siegel der Verschwiegenheit?

Die Herbstvollversammlung hat deutlich gemacht, dass die katholische Kirche bei 170 000 Austritten allein im vergangenen Jahr mehr als bislang auf die Menschen zugehen muss, Liebe nicht nur gefordert, sondern auch praktiziert werden muss - etwa bei der Flüchtlingsnot. Vor allem bedrängt es Menschen, dass sie Mühe haben, einen Priester für das persönliche Gespräch, einen Gottesdienst in der Nähe und für eine Beerdigung eines nahen Angehörigen zu finden. Auch hier wird die Kirche nicht um einen kräftigeren Wandel herumkommen.

Die Herbstvollversammlung der Bischöfe hat den Wandel durch Annäherung sichtbar gemacht. Nun muss dieser Weg energisch weitergegangen werden, sollen sich enttäuschte Erwartungen nicht in weiter hohen Austrittszahlen niederschlagen.

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