Kommentar Deutschland als Syrien-Vermittler - Assads vergiftete Offerte

Ein Hilferuf aus Damaskus oder doch ein vergiftetes Angebot? Der syrische Machthaber Baschar al-Assad lässt nichts unversucht, mit taktischen Offerten die internationale Gemeinschaft im Syrien-Konflikt noch mehr zu spalten, als sie es ohnehin bereits ist.

Natürlich würde sich Assad freuen, wenn Gesandte aus Deutschland nach Damaskus kämen, um mit den Regierenden "über die wahren Verhältnisse" zu sprechen. Die wahren Verhältnisse? Das ist nach Lesart von Potentaten immer die Sichtweise des Regimes.

Tatsächlich versucht Assad unter dem Deckmantel der Diplomatie ein Ablenkungsmanöver. Er würde Zeit gewinnen und auch eine Aufwertung seines Regimes erreichen, wenn Deutschland in offizieller Mission nicht auf neutralem Boden, sondern in Damaskus und somit in Assads Machtzentrum vermittelte.

Der syrische Bürgerkrieg, von dem immer noch nicht klar ist, ob und wer ihn überhaupt gewinnen kann und welche Kreise er weiter zieht, ist nur im Rahmen der Vereinten Nationen politisch zu befrieden. Dafür sind seine Folgen bereits jetzt zu international. Die UN haben mit dem algerischen Top-Diplomaten Lakhdar Brahimi einen Sonderbeauftragten, dessen Bemühungen konterkariert würden, schickte Deutschland Vermittler nach Damaskus.

Ginge es Assad um den Willen eines großen Teils des syrischen Volkes, hätte er dessen Ruf nach Freiheit längst entsprechen können. Doch es geht ihm um den Machterhalt mit allen Mitteln.Das Vermittlungsangebot an Berlin gehört dazu. Es ist vergiftet.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Mehr Chance als Risiko
Kommentar zum Kroos-Comeback im DFB-Team Mehr Chance als Risiko
Wandel vorantreiben
Kommentar zu Mercedes Wandel vorantreiben
Zum Thema
Philipp Königs zum Viktoriakarree-
Geschäft
Bitteres Geschäft für die Stadt
Kommentar zum Viktoriakarree in BonnBitteres Geschäft für die Stadt
Kein rechtsfreier Raum
Kommentar zu Antisemitismus bei der Berlinale Kein rechtsfreier Raum
Aus dem Ressort