Leichtathletik-WM in Peking Dicke Luft bei der WM

Bonn · Über Peking hängt in vielerlei Hinsicht dicke Luft, auch wenn sie so sauerstoffreich ist wie letztmals 2008 und das nächste Mal wohl erst bei den Olympischen Winterspielen 2022. Ein Kommentar.

Die Luft ist dieser Tage sauerstoffreicher als gewohnt in Peking. Wie bei Olympia 2008 dürfen die Bewohner nur jeden zweiten Tag mit dem Auto durch die Häuserschluchten kurven. Erst das Fahrverbot hat viele von ihnen darauf aufmerksam gemacht, dass sie Gastgeber der Welt sind. Die soll sehen, dass der Himmel über Chinas Metropole vielleicht nicht rosarot, aber immerhin blitzeblau ist - so das Propaganda-Ziel.

Einschränkungen ärgern Menschen. Der Eintrag des populären chinesischen Models Zhang Zixin in einem sozialen Netzwerk spiegelt das wider, die Reaktionen darauf umso mehr: Zixin wollte das ihr überlassene WM-Ticket verschenken, weil sie sich nicht für Leichtathletik interessiere. Dafür erhielt sie innerhalb weniger Minuten mehr als 2000 "likes". Medien-Zensur funktioniert im Internetzeitalter also nur noch bedingt. Gut so.

Durch ein Verteilen von Kostenlos-Tickets an Behörden, Universitäten und Staatsunternehmen will die Regierung die Zuschauerränge im "Vogelnest" füllen. Es wird sich zeigen, wie groß der Mut zur freien Meinungsäußerung inzwischen ist in diesem Land, in dem die Regierenden eine andere Auffassung von Menschenrechten haben als in der westlichen Hemis-phäre. Ein Fernbleiben vieler Chinesen wäre ein klares Votum. Es ist eine der spannendsten Entscheidungen dieser WM, die stärker als jede zuvor vom Dauerthema Doping beeinträchtigt wird.

Über Peking hängt in vielerlei Hinsicht dicke Luft, auch wenn sie so sauerstoffreich ist wie letztmals 2008 und das nächste Mal wohl erst bei den Olympischen Winterspielen 2022.

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