1. Meinung
  2. Kommentare

Die Bonner Verkehrspolitik ist in vielen Bereichen Stückwerk.

Kommentar zur Verkehrspolitik in Bonn : Kleinklein statt Vision

Der erweiterte Cityring gleicht einem provinziellen Kleinklein. Statt einem großen Wurf produziert er künstlich Umwege und verknappt Parkraum ohne erkennbaren Sinn, meint unser Autor.

Wer kennt das nicht: Da hat man sich für die Lieferung eines lang gehegten Wunsches extra frei genommen, und dann – kommen die Handwerker nicht. Ähnlich ging es nun also der Stadt, die sich mit der neuen Beschilderung am Stockentor noch bis Montag gedulden muss.

Ein Schelm also, wer da zunächst an die Betriebsferien dachte, die sich die Verwaltung bis einschließlich Mittwoch verordnet hatte. Und doch passt die Anekdote in jenes Bild, das die Verkehrspolitik in Bonn aktuell abgibt. Viele Bürger haben für das Füllhorn molekularer Rezepte aus dem Rat nämlich nur noch ein Wort übrig: Stückwerk.

Einfach war es mit dem Verkehr in Bonn bekanntlich noch nie. Man frage nur jemanden, der mit dem Auto (unter Einhaltung aller Regeln) mal eben etwas von der Königstraße in die 300 Meter entfernte Lennéstraße transportieren will. Nun soll es also der erweiterte Cityring richten.

Doch der Begriff, der auf einen großen Wurf hoffen lässt, entpuppt sich zunehmend als provinzielles Kleinklein. Künstlich produzierte Umwege über engste Seitenstraßen, gezielte Verknappung von Parkraum, ohne erkennbaren Sinn umgedrehte Einbahnstraßen, ein Hauch von britischem Linksverkehr für die Radfahrer auf der Kaiserstraße.

All das zeugt nicht von mutiger Vision etwa für den Durchbruch zu einer echten Fahrradstadt, sondern von gequältem Koalitionskompromiss von hinten durch die Brust ins Auge. Bezahlen sollen das Sammelsurium übrigens dieselben, die im September einen neuen Stadtrat wählen dürfen. Bürgernahe Politik wird dies bei der Bilanz der Testphase sicher berücksichtigen. Denn eines sollte einer Stadt nicht passieren: dass die Menschen bewusst einen großen Bogen um sie machen.