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Die Bundeswehr und die Reform: Neuaufstellung

Die Bundeswehr und die Reform: Neuaufstellung

Verteidigungsminister Thomas de Maizière wusste es vorher: Dieser Weg wird kein leichter sein. Und die Soldaten in den Standorten mussten zumindest befürchten, dass ihnen der Inhaber der Befehls- und Kommandogewalt mit der Reform der Bundeswehr Zumutungen abverlangen wird.

Nichts oder wenig, was das Soldatenherz wärmt, aber viel, was Unruhe in der Truppe auslösen würde. Veränderungen gibt es in aller Regel nur gegen Widerstand. Das gilt für alle Berufsgruppen und nahezu alle Lebensbereiche. Das Militär, das gern und lange in festen Plangrößen denkt, agiert und marschiert, ist da keine Ausnahme.

So verwundert es wenig, wenn der Wehrbeauftragte des Deutschen Bundestages in seinem Jahresbericht festhält: Die Stimmung in der Truppe ist mäßig. Natürlich gibt es in jedem Unternehmen Zufriedene, weniger Zufriedene und Unzufriedene.

Die Bundeswehr ist mit künftig bis zu 185.000 Soldatinnen und Soldaten und 55.000 Zivilangestellten ein ziemlich großes Unternehmen. Also gibt es dort - in Relation zur Größe - viel Unzufriedenheit, erst recht in Zeiten von Umbrüchen und Neuaufstellung. Kein Wunder, dass Soldaten murren, wenn sie wegen Standortschließung teilweise Hunderte Kilometer zwischen Wohnort und Dienstort pendeln.

Natürlich gehört es zum Berufsrisiko, dass Soldaten nicht damit rechnen können, ein Leben lang an einem Standort Dienst zu tun. Ärgerlich ist die erzwungene Berufspendelei für jeden Betroffenen aber allemal. Auf den Kilometern zwischen Standort und Wohnort bleibt Lebensqualität auf der Strecke. Dafür gewährleistet der Arbeitgeber allerdings eine überdurchschnittlich hohe Arbeitsplatzsicherheit.

Zu dem wahren Risiko des Soldatenberufs aber zählt seit vielen Jahren der Einsatz. Niemand, der heute auf Zeit oder für den gesamten Berufsweg Soldatin oder Soldat wird, kann sich darauf verlassen, ausschließlich im sicheren Deutschland zu dienen. "Wir. Dienen. Deutschland."

Dieser Slogan bringt in der Praxis längst mit sich, dass Deutschlands Interessen auch im Ausland verteidigt werden. Mit allen möglichen Konsequenzen für die, die den Auftrag und den Marschbefehl dazu erhalten. Wenn der Wehrbeauftragte Ausbildung und Ausrüstung moniert, tut er dies in bester Fürsorgepflicht.

Wer in Krisengebiete geschickt wird und dort Gesundheit und Leben riskiert, darf von seinem Arbeitgeber erwarten, dass dieser ihn mit bestem Wissen und dem bestmöglichen Material ausstattet. Dass Hellmut Königshaus hier Besserung verlangt, ist seine Pflicht als Anwalt der Soldaten. Es müssen keine Klagelieder angestimmt werden. Aber die Truppe braucht, auch um attraktiv für wirklich guten Nachwuchs zu sein, Planungssicherheit. Diese Bundeswehr-Reform muss zumindest eines bringen: Ruhe an der Heimatfront.