Kommentar Die Energiewende - Das doppelte Nein

Die Energieversorgung in Deutschland ist ein zu wichtiges Thema, um es Träumern zu überlassen. Anders gesagt: Die reine Anti-Atomkraft-Ideologie reicht nicht aus. Vollends unmöglich und unverantwortlich aber wird es, wenn genau die Politiker, die den Ausstieg aus der Atomkraft predigen, den Bau moderner Stromnetze verhindern, die nötig sind, um die erneuerbaren Energien zum Verbraucher zu bringen.

Genau das aber passiert in Deutschland in diesen Tagen hundertfach. Überall, wo neue Stromtrassen entstehen sollen, regt sich Widerstand. Grüner Widerstand. Das geht nicht. Deshalb hat Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler ausnahmsweise einmal recht, wenn er darauf hinweist, dass die Energiewende auch unbequeme Antworten erfordere.

Grundfalsch aber wäre es, den schleppenden Netzausbau in Deutschland ausschließlich grünen Vogelschützern in die Schuhe zu schieben. Sie nutzen nur die Einladungen aus, die ihnen die Industrie anbietet. Denn die hat, lange bevor es zum Atomausstieg kam, die Energiewende verschlafen, weshalb es jetzt in ziemlich hektischer Weise ans Aufholen gehen muss. Deshalb werden Planungsverfahren gestrafft, Rechtswege verkürzt.

Auch die Ministerpräsidenten, die das Thema gestern mit der Kanzlerin besprachen, müssen mehr Verantwortung übernehmen und dürfen nicht nur mit dem Finger nach Berlin zeigen. Wer, wie die neue rot-grüne Koalition in Düsseldorf, ein hochmodernes Steinkohlekraftwerk verzögert, wenn nicht gar verhindert, gibt das falsche Beispiel, wenn die Energiewende ein Erfolg werden soll.

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