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Kommentar: Die erste Frau als Verteidigungsministerin - Von der Leyens Gefecht

Kommentar : Die erste Frau als Verteidigungsministerin - Von der Leyens Gefecht

Der Inhaber der Befehls- und Kommandogewalt (IBuK) in Friedenszeiten ist jetzt eine Inhaberin. Erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik führt also eine Frau die Bundeswehr in Einsätze und ins Gefecht, darum wird auch Ursula von der Leyen nicht herumkommen.

Die Personalie ist eine Überraschung. Sie ist aber keine Sensation. Längst hatten und haben Nato-Partner wie die Niederlande, Frankreich oder Spanien Frauen an der Spitze ihres Verteidigungsministeriums.

Warum auch sollte eine Frau das Großunternehmen Bundeswehr mit seinen bis zu 185.000 Soldatinnen und Soldaten und den rund 55.000 Zivilbediensteten schlechter leiten, organisieren und aufstellen als ein Mann? Eine Armee im Einsatz ist in diesem Fall auch eine Armee im Wandel. Was die IBuK braucht, sind wacher Reformergeist und den unbedingten politischen Willen, die Neuaufstellung auch gegen Widerstände umzusetzen. Von der Leyen stehen einige Prüfungen bevor.

Rund 5500 deutsche Soldaten sind aktuell auf drei Kontinenten in Europa, in Afrika und in Asien Teil internationaler Militärmissionen. Von der Leyen übernimmt den in jeder Hinsicht brisantesten Schleudersitz im Kabinett von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Er könnte sie weiter nach oben befördern, wenn sie den Job politisch ohne Schrammen überlebt, was beinahe unmöglich ist. Peter Struck war der bislang letzte und einer der ganz wenigen Verteidigungsminister überhaupt, die es in diesem Ministerium mit seinen unzähligen Fallstricken ohne größere Pannen geschafft haben. Von der Leyens neues Amt ist für sie Chance und Gefahr zugleich. Jeder Einsatz birgt Risiken und jedes Rüstungsgroßprojekt kann theoretisch bei Kosten oder Zulassung aus dem Ruder laufen. Ob beim Marinehubschrauber MH90 oder auch bei der Frage nach einem Ersatz für die abgestürzte Aufklärungsdrohne "Euro Hawk" - die Verteidigungsministerin muss Antworten finden.

In der Kategorie innerparteilicher Rivalität ist von der Leyen eine Hausnummer für Merkel. Doch nur ein Debakel nach Art des "Euro Hawk" genügt - oder eine kapitale Fehlentscheidung wie das von einem deutschen Oberst angeforderte Nato-Bombardement 2009 am Kundus-Fluss. Von der Leyen wäre schnell in Bedrängnis. Vorteil Merkel.

Schließlich haben auch die Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr hohe Erwartungen an die erste Frau auf der Hardthöhe und im Bendler-Block. Sie wollen Planungssicherheit für die eigenen Standorte, über die Art der Zweiteilung ihres Ministeriums. Und sie brauchen die bestmögliche Ausrüstung für eine Armee, die in Afghanistan, am Horn von Afrika oder auch in Mali heikle Aufgaben meistern muss. Ihr Einsatz ist auch von der Leyens Einsatz. "Mordsrespekt" vor dem neuen Amt? Den muss sie haben. In ihrem ureigenen Interesse.