1. Meinung
  2. Kommentare

Kommentar zu Baukosten in Bonn: Die Fehler der Vergangenheit

Kommentar zu Baukosten in Bonn : Die Fehler der Vergangenheit

Die Bauwirtschaft betreibt mitunter eine dreiste Preispolitik. Die Stadt kann dagegen nichts unternehmen. Sie trägt allerdings eine Mitschuld, weil sie notwendige Sanierungen jahrzehntelang nicht angegangen ist.

Ein Bauauftrag, der für die Stadt doppelt so teuer wird wie erwartet: Was die Mitglieder der Bezirksvertretung Bonn derart verunsichert, dass sie die Vorlage in den Rat weitergeschoben haben, ist seit drei, vier Jahren bittere Normalität nicht nur in Bonn. Die Baubranche ist so gut ausgelastet, dass die Firmen fast aller Gewerke absolute Mondpreise verlangen können. Und so kostet ein simpler Metallsteg für den neuen Aufzug am Alten Zoll eben einfach mal 233.000 statt prognostizierter 116.000 Euro.

Besonders bei der Sanierung der Beethovenhalle trägt die dreiste Preispolitik der Bauwirtschaft ihren Teil zur Kostenexplosion auf bis zu 166 Millionen Euro bei. Um nur ein Beispiel von vielen zu nennen: Einer Stahlbaufirma aus Koblenz musste die Stadt 2,4 Millionen Euro zahlen, obwohl der Preis für den Auftrag 133 Prozent über den kalkulierten Kosten lag.

Eine andere Firma aus dem Rhein-Hunsrück-Kreis hatte sogar 3,7 Millionen Euro verlangt. Bonn muss schon froh sein, wenn sich auf Ausschreibungen überhaupt noch Unternehmen melden. Den Kommunen fehlen die Alternativen, und die Firmen nutzen das gnadenlos aus – eine der Schattenseiten der Marktwirtschaft, die ansonsten ja ein gut funktionierendes Gesellschaftsmodell ist.

Die Stadtverwaltung kann an dieser Situation nichts ändern. Wenn es um die Sanierung von Gebäuden, Sportanlagen oder Brücken geht, liegt der Kardinalfehler aber schon in der Vergangenheit: Jahrzehntelang hat die Stadt zu wenig in die Instandhaltung investiert. Das rächt sich jetzt.