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Kommentar: Die Hochschulreform - Humboldt würde heulen

Kommentar : Die Hochschulreform - Humboldt würde heulen

Warum sollte es den Hochschulen anders ergehen als den Schulen in Deutschland? Wenn dort reformiert wird, geht es meist um die Struktur, viel zu selten um Inhalte. Heraus kommen dann Grabenkriege wie der um die Gesamtschule oder unausgegorene Riesenumbaumaßnahmen wie die, die der sogenannte Bologna-Prozess ausgelöst hat.

Weg mit dem Diplom, her mit Bachelor und Master, hieß vor mehr als zehn Jahren die Devise. Seitdem laufen nicht nur die deutschen Hochschulen den von der Politik gesetzten Zielen hinterher. Mehr Flexibilität und Mobilität sollten die neuen Studiengänge bringen, das Gegenteil ist erreicht worden.

Die deutschen Hochschulen sind verschult wie noch nie, Flexibilität ist fast ein Fremdwort geworden. Und die Mobilität ist erst recht auf der Strecke geblieben. Der Wechsel ins Ausland, worunter hier auch schon der zu einer anderen Universität in einem anderen Bundesland verstanden werden muss, fällt schwer, sehr schwer, die gegenseitige Anerkennung auch.

Die Studiengänge sind überfrachtet, den Studierenden bleibt kaum noch Zeit für Anderes, für studienbegleitende Ausbildungen, für den Nebenjob, fürs Privatleben.

Nun könnte man argumentieren: Aber fürs Berufsleben hat sich der Umbau ausgezahlt. Doch selbst das stimmt nicht. So kann man sich nur freuen über die Ehrlichkeit, mit der der neue Präsident der Hochschulrektorenkonferenz, Horst Hippler, Reformbilanz zieht. Er fordert Bildung statt Ausbildung, Persönlichkeiten statt Absolventen, Berufsqualifikation statt Berufsbefähigung. Und wird damit folgenlos bleiben. Wilhelm von Humboldt würde heulen.