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Kommentar zum Erdgasstreit im Mittelmeer: Die Maas-Mission

Kommentar zum Erdgasstreit im Mittelmeer : Die Maas-Mission

Die Türkei und Griechenland streiten sich um Erdgas im östlichen Mittelmeer. Es ist ein Konflikt unter Nato-Partnern, den sich die Allianz gerade nicht leisten kann. Nato wie auch EU wollen eine Eskalation um jeden Preis vermeiden, kommentiert Holger Möhle.

Ein Konflikt unter Nato-Partnern mit militärischem Muskelspiel auf beiden Seiten – das hätte der Allianz gerade noch gefehlt. Das Bündnis ist mit weltweiten Löscharbeiten, einer Unwucht im transatlantischen Verhältnis und der Corona-Krise schon ausreichend beschäftigt. Im östlichen Mittelmeer schwelt seit Wochen ein Konflikt zwischen der Türkei und ihrem ewigen Gegner Griechenland, den Ankara mit Erdgaserkundungen in Gewässern vor griechischen Inseln gezielt befeuert hat. Nato wie auch EU befürchten eine Eskalation im Mittelmeer.

Auch aus diesem Grund ist Außenminister Heiko Maas jetzt zu einer Vermittlermission in beide Länder gestartet. Vor Wochen hatte bereits Bundeskanzlerin Angela Merkel zwischen Athen und Ankara in der Angelegenheit vermittelt und eine drohende militärische Auseinandersetzung erst einmal gebannt. Doch die aggressive Politik der Türkei, die im Stile einer regionalen Hegemonialmacht agiert, geht weiter. Ankara lässt ungeniert weiter Gasvorkommen südlich der türkischen Küste erkunden und reklamiert – gegen griechische Gebietsansprüche – diese Gewässer für sich. Nur wie lange geht dieser Streit unter diesen traditionell feindselig gestimmten Nato-Partnern noch gut? Im Bündnis sind sie Waffenbrüder, als Nachbarn kämpfen die Türkei und Griechenland in harter Gegnerschaft um Terrain und Rohstoff. Jetzt wetteifern sie auch noch mit eigenen Militärmanövern.

Mit Telefon-Diplomatie ist diesem Konflikt offenbar nicht mehr beizukommen. Der deutsche Außenminister ist deshalb zu seiner ganz persönlichen Maas-Mission aufgebrochen. Er hat dabei die Autorität seines Amtes und das Gewicht der deutschen EU-Ratspräsidentschaft im Rücken. Ende dieser Woche versammelt Maas seine EU-Außenministerkollegen in Berlin. Griechenland wird dabei besonders gehört werden. Denn: Die EU kann nicht zulassen, dass mit einem ihrer Mitglieder derart herumgesprungen wird, wie es die Türkei gerade wieder mit Griechenland versucht.

Zu seinem türkischen Amtskollegen Mevlüt Cavusoglu, mit dem Maas schon symbolträchtig in der deutschen Regierungsmaschine von Ankara nach Istanbul flog, pflegt der SPD-Politiker eine passable Arbeitsbeziehung. Die Türkei muss ihre andauernden Provokationen beenden. Auch wenn sie der EU mit dem umstrittenen Flüchtlingsdeal hilft, ist dies kein Freibrief in der eigenen Nachbarschaft permanent zu zündeln.