Kommentar Die SPD und ihre Kandidaten - Brief und Kopf

Schreib mal wieder! Der Dauerwerberat der Post ist nicht immer ein guter Rat. Peer Steinbrück will Kanzlerkandidat werden - und jetzt soll eine Briefkopfaffäre das verhindern.

Als Finanzminister hat der resolute Bonner Sozialdemokrat einen Spendenbittbrief geschrieben, um eine Schachveranstaltung zu fördern, nicht sich selbst. Das mag ungeschickt sein, aber wenn alle Politiker in hohen Ämtern, die Ähnliches schon getan haben, gehen müssten, gäb es keine mehr. Soll heißen: Das Karo dieser Vorwürfe ist ziemlich klein.

Deshalb ist auch wichtiger als der Rat "Schreib mal wieder" (oder wie die Tugendwächter meinen: "Schreib nie wieder!") der Hinweis an die sozialdemokratische Kandidaten-Troika: "Entscheidet mal lieber". Die Idee, den Herausforderer von Angela Merkel erst spät auszurufen, war ohnehin nicht durchdacht, wenn dabei der Kandidat geschont werden sollte.

Das spricht erstens nicht für Selbstbewusstsein und ist zweitens erst recht absurd, wenn stattdessen gleich drei Kandidaten aufs Rüttelsieb gestellt werden. Es geht dabei übrigens nicht darum, dem Erwartungsdruck der Medien zu entsprechen. Nein, die SPD-Basis will endlich wissen, mit wem sie es zu tun haben wird.

Mit dem Parteichef, der gerade wieder ein Stückchen Sozialreform zurückdrehen will (bei der Rente mit 67) und sich so anbietet oder -biedert, mit einem bemerkenswert stillen Fraktionsvorsitzenden oder eben mit dem selbstbewussten Steinbrück, dessen Persönlichkeit allein schon Grund genug ist, nicht länger zu warten. Den Briefkopf sitzt er allemal aus.

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