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Kommentar: Die Spionageaffäre - Unfreundlicher Akt

Kommentar : Die Spionageaffäre - Unfreundlicher Akt

Der Fall ist komplex und ein Bundesverdienstkreuz wird Edward Snowden nicht bekommen, selbst wenn sich alle Whistleblower dieser Welt dafür ins Zeug legten.

Denn: Ohne Snowden hätte die Bundesregierung weniger Ärger und weniger Fragen. Fest steht aber auch: Ohne Snowden wäre Deutschland nach allem, was man den "Geheimen" insgesamt glauben kann, ein Land der Ahnungslosen.

Internetdaten deutscher Nutzer würden weiter in großem Stil abgefischt (und werden es womöglich noch bis heute), das Mobiltelefon der Bundeskanzlerin würde weiter abgehört und befreundete Partner wie die USA und vermutlich auch Großbritannien genierten sich weiter nicht, im Zentrum der politischen Macht in Berlin auf Lauschstation zu gehen. Ungeniert, unverfroren und wirklich auch unbemerkt? Man mag es kaum glauben.

Für die deutschen Nachrichtendienste wäre der Lauschangriff vom Dach der britischen Botschaft ein Offenbarungseid, wenn sie wirklich nichts gewusst haben. Tatsächlich handeln auch die "Geheimen" mit ihrer Ware: mit Erkenntnissen, die einen Informationsvorsprung und somit ein Plus an Sicherheit bedeuten können.

Natürlich hat Deutschland in der Vergangenheit von Erkenntnissen der US-Geheimdienste profitiert und Terroranschläge auch hierzulande verhindern können. Und selbstverständlich tauschen Partner Informationen aus. Aber Ausspähen unter Freunden ist ein unfreundlicher Akt. Die Deutschen sollten Snowden hören. Es gibt viel zu erfahren. Auch für einen Neustart der Kooperation der Nachrichtendienste.