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Kommentar: Dortmund zahlt den Preis des Erfolgs

Kommentar : Dortmund zahlt den Preis des Erfolgs

Man muss nicht Fan von Borussia Dortmund sein, um den Frust, vielleicht auch den Ärger, im Lager des BVB zu verstehen. Mit Mats Hummels und Marcel Schmelzer kehren zwei Leistungsträger verletzt vom Länderspiel zurück und fallen wochenlang aus. Der Dienst für das Vaterland hatte für beide gravierende persönliche Folgen.

Für ihren Verein aber steht mehr, nämlich die Wettbewerbsfähigkeit, auf dem Spiel. Vor zwei richtungsweisenden Spielen der Saison ist die komplette Abwehrreihe außer Gefecht. Innerhalb von vier Tagen geht es in der Bundesliga gegen die Bayern und in der Champions League gegen Neapel - im schlimmsten Fall müssen anschließend die Saisonziele überdacht und eingeplante Millioneneinnahmen abgeschrieben werden.

Die BVB-Bosse hatten die Reise der Nationalelf schon im Vorfeld mit kritischen Tönen begleitet. Ihnen passte der Termin der Länderspiel-Ansetzungen so kurz vor dem Topduell in der Liga nicht. Dass Löw nach dem Italien-Spiel die Münchner Philipp Lahm und Manuel Neuer zum Ausspannen nach Hause schickte, machte den Trip nach Wembley aus BVB-Sicht zum Politikum.

Die von den Dortmundern sozusagen prognostizierte Katastrophe ist nun eingetreten. Schuldzuweisungen, auch in Richtung des Bundestrainers, werden sich die Verantwortlichen dennoch verkneifen. Sie wären auch unangebracht. Jedes Testspiel, jedes Training, ob im Verein oder der Nationalelf, birgt ein Verletzungsrisiko. Und wer kann es einem jungen Spieler verdenken, dass er in Klassikern wie gegen Italien oder England unbedingt auflaufen will? Solche Länderspiele gehören zu den Karriere-Höhepunkten. Bastian Schweinsteiger, der in der Vergangenheit zwölf Testspiele in Folge fehlte und sich auf Pflichtspiel-Einsätze konzentrierte, mag da die Ausnahme sein.

Es ist, so bitter es klingt, auch der Preis des Erfolgs, den die Borussia zahlt. Jahrelang haben die Dortmunder dafür gekämpft, dass ihre Spieler angemessen in der Nationalmannschaft berücksichtigt werden. Jetzt werden sie es - mit allen unerwünschten Nebenwirkungen.