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Kommentar zu den Lockerungen im Einzelhandel: Ein politischer Kompromiss

Kommentar zu den Lockerungen im Einzelhandel : Ein politischer Kompromiss

Teile der Öffnungsstrategie nach dem Lockdown der vergangenen Wochen stoßen auf Unverständnis. Kritik kommt vor allem aus dem Einzelhandel. Dass wieder Massen die Einkaufsstraßen bevölkern, können wir uns einfach nicht leisten, kommentiert GA-Korrespondent Mischa Ehrhardt.

Wie es scheint, ist es ein politischer Kompromiss gewesen. Kleine Geschäfte dürfen öffnen, größere über 800 Quadratmeter Verkaufsfläche bleiben geschlossen. Das ist ziemlich eigenartig – auf den ersten Blick. Natürlich kann man argumentieren, dass die Zahl willkürlich gewählt ist, dass sie hätte höher oder tiefer liegen müssen. Das aber ist das Wesen solcher Kompromisse. Davon abgesehen hat die Begrenzung der Anzahl von zu öffnenden Geschäften einen sehr guten Grund. Ohne Begrenzung würden in der Tat wieder Massen die Einkaufsstraßen bevölkern. 

In der jetzigen Zeit aber können wir uns das einfach nicht leisten. Da reicht es eben nicht aus, dass nur in den Geschäften auf Hygiene geachtet, die Zahl der Einkaufenden begrenzt wird und die Abstände gewahrt bleiben. Auch außerhalb der Geschäfte muss dies so sein. Für jedes einzelne Geschäft und seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist es bitter, dass sie nicht öffnen dürfen. Doch dürfen sie hoffen, dass die Lage in zwei Wochen besser aussieht – gerade weil Massenaufläufe weiter verhindert werden. Die Alternative ist das Risiko, dass das Virus wieder Raum greift und die Zahl der Infektionen wieder steigt. Dann wäre die Politik gezwungen, alle Erleichterungen wieder zurückzunehmen. Für wie lange das dann so bleiben müsste, will man sich lieber nicht vorstellen. Noch weniger aber will man dies – auch wirtschaftlich – erleben.