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Kommentar zur geforderten Reservierungspflicht bei der Bahn: Ein Schlamassel

Kommentar zur geforderten Reservierungspflicht bei der Bahn : Ein Schlamassel

Bund und Bahn lehnen eine Reservierungspflicht weiterhin ab. Grüne und FDP fordern eine gezielte Verteilung der Plätze im Zug als Corona-Prävention. Bund und Bahn stecken in einem Schlamassel, kommentiert Wolfgang Mulke.

Vor einigen Jahren tobte ein Sturm der Entrüstung durch das Land. Grund war die Idee, für Züge der Deutschen Bahn eine Reservierungspflicht einzuführen und die BahnCard abzuschaffen. Beides wurde nicht verwirklicht. Die spontane Zugfahrt ist einer der großen Vorteile des Schienenverkehrs. Das sollten Kritiker am Konzept der Bahn bedenken, wenn sie auf eine begrenzte Vergabe von Plätzen pochen.

Ausschließen sollte eine verpflichtende Platzreservierung dennoch niemand. Derzeit ist das Infektionsrisiko gering. Das könnte sich im Herbst ändern, wenn weiter steigende Infektionszahlen zu verzeichnen sein sollten. Wenn zudem die Disziplin beim Tragen einer Maske zurückgeht, müssen sich Bund und Bahn die Frage der Sicherheit im Zug womöglich neu stellen. Beide stecken im Schlamassel.

In der Bevölkerung wird das Ansteckungsrisiko stärker wahrgenommen, als es tatsächlich ist. So erscheint vielen Kunden schnell eine Bahnfahrt im vollen Zug als gefährliche Reise. Wirtschaftlich ist die Krise für die Bahn ohnehin ein Desaster. Kunden gewinnt die Bahn nur zurück, wenn sich die Fahrgäste sicher aufgehoben fühlen. Geht dieses Gefühl verloren, hilft wohl nur eine Koppelung des Tickets an einen Sitzplatz. Das kann nur die letzte Option sein. Immer wieder fallen Züge aus, werden Anschlüsse verpasst. Die Kunden dürfen heute die nächste Verbindung nutzen. Einen Sitzplatz dafür haben sie nicht gebucht. Bei einer Pflicht dazu stranden sie an irgendeinem Bahnhof. Eine Lösung wird nicht leicht zu finden sein.